(Wenn Sie auf eines der Bilder in dieser Spalte klicken, öffnet sich ein Fenster mit einem größeren Bild.) Wilhelmshöhe und Umgebung

Domäne Wilhelmshöhe
Schloß-Nebengebäude mit Schloßhotel
Wirtschaft am Herkules und Kaskaden-Restaurant
Im Bergpark Wilhelmshöhe
Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 1
Rammelsberg
Besondere Orte in Wilhelmshöhe und Habichtswald
  (mit Unter-Inhaltsverzeichnis)

Das »Außenkommando Druseltal« des KZ Buchenwald


Luftaufnahme über den Herkules und den Bergpark nach Osten. Zwischen Park und Stadt, jenseits des Schlosses und der dunklen Baumgruppen des unteren Parks, liegen die Felder der Domäne. Postkarte von ca. 1960.*5


Luftaufnahme des Domänen-Gutshofs Wilhelmshöhe, ca.1920.*4


Ca.1920: Mäharbeiten auf dem Domänengelände am Rammelsberg.*4


Blick auf die Domäne, aufgenommen vom Dach der Klinik Dr.Greger. Ganz links ist der Erker des Hauses Burgfeldstr.12 zu erkennen. Das helle Haus hinten am Rammelsberg ist das Hotel Schombardt.*1


»Johannes Hasse / Erinnerung am 2.März 1929 bei der Domäne Wilhelmshöhe«.*5

Die Domäne Wilhelmshöhe

»
Das Kurfürstliche Schloß Wilhelmshöhe liegt eine starke Stunde weit von Cassel, auf einer Anhöhe am Fuße des Karlsberges. Der Weg dahin führt durch die Wilhelmshöher Vorstadt [Oberneustadt], in einer schnurgeraden Allee von Linden. [...] Der ganz im englischen Geschmack angelegte Garten daselbst hat einen Umfang von einer teutschen Meile. Schon am Fuße des Gebirges, gleich hinter dem Dorfe Wahlershausen, nehmen die Anlagen ihren Anfang. An der linken Seite der Chaussee siehet man die herrschaftliche Meierey; gegenüber, an der rechten, einen größtentheils mit Nadel-Gehölz bepflanzten lieblichen Hügel.«*16

Die ehemalige Meierei, Domäne oder auch Gutshof geheißen, mit ihren für den landwirtschaftlichen Betrieb notwendigen, für die Ästhetik des Landschaftsgartens unverzichtbaren Feldern und Wiesen, bildete mit dem Park eine künstlerische Einheit. Auf den bis 1970 (!) freien Fluren errichtete man von der Stadt aus gesehen linker Hand die Bauten verschiedener Senioren- und anderer Wohnanlagen, die Orthopädische Klinik, in den 80er Jahren die Kurhessentherme und die Habichtswaldklinik, und erst in den 90er Jahren nach Abriß wesentlicher Gebäude den Hessischen Rundfunk. Rechter Hand wurde in den 70er Jahren das bis dahin kaum auffällige Straßenbahndepot monströs erweitert und der Rammelsberg überbaut. Allein die Wiesen westlich der Drusel (zwischen Baunsbergstraße und An den Eichen), innerhalb der Wendeschleife der Linie 1 sowie die angrenzenden Äcker unterhalb des Rammelberges blieben verschont und bilden der Rest der Feldflur, die einst fünf Kilometer weit von Kassel bis zu den historischen Anlagen von Wilhelmshöhe reichte. Sie sind Teil des UNESCO-Welterbes und vor Beeinträchtigungen jeder Art zu schützen: Neue Gebäude, Straßen und Bahntrassen.
  Über solche Bebauungen wird natürlich bereits nachgedacht. September 2003: Das noch weitgehend unberührte Gebiet zwischen Prinzenquelle und Rammelsberg ist durch Straßenbau- und Bebauungs-Pläne konkret bedroht. (Siehe das Kapitel »Probleme«.)


Ca. 1965: Luftbild von Wilhelmshöhe. Vorsicht: beim Klicken öffnet sich eine Datei von etwa 400k. Das Schloß ist noch die kriegsbeschädigte, aber skandalöserweise erst nach dem Krieg ausgeweidete Ruine. Und noch keine der inzwischen begangenen Bausünden hat die Domäne Wilhelmshöhe und die Villenkolonie heimgesucht.
*13

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Ca.1900: In zahllosen Varianten von 1900 bis 1930 beliebte Postkarte: Schloß und Schloßnebengebäude von Osten.*5 – In einer Nebengebäude-Wohnung verlebte der Regisseur Friedrich Murnau seine Jugend (siehe das Kapitel »Persönlichkeiten).


Ca.1900.*5


Ca. 1895.*5


Ca.1905: Blick von etwas unterhalb des »Kaleschen-Wegs«, der von der Chaussee zur Talseite des Schlosses führt, nach Norden auf Wache und Hotel.*5


Ca.1905: Blick von Osten. Rechts die Wache, links hinten das Pflanzenhaus.*5


Ca.1890: Wachwechsel.*11


Die Wache als Schloss-Café, Postkarte von ca. 1965.*5


Ca.1900: Das »Palmenhaus« (Großes Gewächshaus, Neues Pflanzenhaus, Großes Pflanzenhaus) von Westen. Über diese Kreuzung fahren heute täglich ca. 10.000 Autos und Lastwagen.*5


Ca.1900: Blick von Westen, links das Hotel, dahinter Wache und Post, rechts Begrenzungssteine des Pflanzenhaus-Areals.*5


Um 1930: Das alte Gasthaus als Waldschule.*14


Ca.1910: Blick am Hotel vorbei auf die Wache.*5


Ca.1900: Blick von Westen. Links Marstall, rechts Hotel.*2


Der Marstall kurz nach dem Krieg. Noch steht »[Arb]eitsdienst der NSDAP – Marstall« über der Tür, aber schon stehen Briten davor. Im Marstall war der »Kraftfahrpark des Reichsarbeitsdienstes« untergebracht.*7


Platz vor dem Schloßhotel, um 1880: noch hat das Pflanzenhaus, links hinten, seine Bromeis-Kuppel.*11


Ca.1890: Detailreiche Aufnahme des Schloßhotels.*2


Ca.1910: Das Hotel von Osten, links das Dach des Pflanzenhauses.*5


Ca.1910: Der Vorgarten des Hotels.*5


Ca.1925: Vorplatz des Hotels, hinten das Türmchen auf dem Marstall.*5


Ca.1900: Blick aus dem Wachgebäude auf die östliche Seite des Schloßhotels, also diejenige, die auf Kassel blickt. Wo noch die Straße zu sehen ist, baute Tessenow die beliebten Terrassen.*11


Ca.1925: Die talseitige Terrasse des Schloßhotels, umgestaltet von Heinrich Tessenow; hinten eine Remise.*5


Ca.1925: die talseitige Terrasse in der anderen Richtung, hinten das Wachgebäude.*2


Ca.1925: Blick ins Tal, also nach Norden auf Prinzenquelle und Harleshausen.*2


Um 1871: Die Reithalle. Der auf Schloß Wilhelmshöhe nach der Schlacht von Sedan gefangengehaltene Napoléon III inspiziert die Artillerie.*11


Restaurierung der Reithalle, ca. 1970.


1890: Remise und Ausweich-Gastwirtschaft. Das Bild ist beschriftet: »Hofraum des Marstalls 1890«.*11


Ca.1930: Remise.*4


Ca.1930: Schlittenfahrt vor dem winterlichen Schloßhotel.*4


Nach dem Krieg: das ausgebrannte Schloßhotel.*4


Luftaufnahme von ca.1960: Man sieht das im Krieg beschädigte, aber erst nach dem Krieg mutwillig ausgeweidete Corps-de-Logis, (den Mittelbau des Schlosses) sowie hinten links die Nebengebäude mit dem neuen Schloßhotel.*5


Der Neubau aus den 50er Jahren. Die Rückseite der Karte aus den 70er Jahren trägt den Aufdruck: »Schloßhotel Wilhelmshöhe – Hauptsitz der Behaglichkeit«.*5


(Seite 1)

(Seite 2)
Ein Hotelprospekt von ca. 1955, als das Hotel noch an sich glaubte.
*5


Privataufnahme von ca.1970. Rechts noch ein recht freier Blick auf das Tal, heute von der ekelhaft häßlichen Spielhalle verstellt.
*5


Außenwerbung der Spielbank, 2003. Im Hintergrund der Marstall. Die Werbe-Anlage ist nicht etwa umgestürzt oder unfertig, sondern das, äh, pfiffige Design ist so gemeint ...
*21

Schloßhotel, Marstall, Wache und die weiteren Nebengebäude

Dieser geschichtsreiche Komplex von Nutzgebäuden nördlich des Schlosses ist durch Pläne des Landes Hessen zur Errichtung eines Wilhelmshöher »Museumsparks« zusätzlich ins Interesse gerückt. Die Planungen zu einem Museumskomplex, in dem einige Kasseler Sammlungen (u.a. Alte Meister, Neue Galerie, Astronomie und Technikgeschichte) gemeinsam ausgestellt werden, birgt die Chance, dieses teilweise reichlich vernachlässigte Areal an Gestalt und Nutzen zu befördern.

»
Mit Wilhelms [IX] Entscheidung, ein Corps de logis [den Mittelbau des heutigen Schlosses] zu erbauen, verbindet sich für Schloß Wilhelmshöhe eine durchgreifende Funktions- und Bedeutungserweiterung vom Sommerlustschloß zum Sommerresidenzschloß, das nunmehr den gesamten Hofstaat aufnehmen konnte. [...] ›Zu gleicher Zeit ließ der Regent auch alle zu einer großen Hofhaltung erforderlichen Nebengebäude errichten, nämlich einen Marstall, ein Wagenhaus, Geschirrhaus und alle Wohnungen für die bei Hofe angestellten Personen.‹«.*8


Das Areal der Schloß-Nebengebäude aus der Luft, aufgenommen von Nordwesten. Postkarte von ca.1925.*5
1: Schloß Wilhelmshöhe, Corps de logis mit Kuppel
2: Ballhaus
3: Großes Pflanzenhaus
4: Marstall
5: Schloßhotel
6: Wache
7: Post
8: Remisen
9: Reithalle
10: Kavalierhaus
11: Gewächshäuser
Alle Gebäude mit Ausnahme des Schloßhotels sind erhalten. Ein großes Bild ohne die Zahlen öffnet sich beim Klicken auf die Abbildung.


2 – Das Ballhaus war ursprünglich ein Theater, das Jérôme Bonaparte im Jahre 1810, während der französischen Besatzungszeit, von seinem Hofarchitekten Franz Carl Leo v. Klenze (1784–1864) in nur 9 Monaten errichten ließ. Nach seiner Rückkehr ließ Kurfürst Wilhelm I einen von Jérome erbauten, damals schon reichlich anachronistischen verglasten »chinesischen Gang« zwischen Kirchflügel des Schlosses und Theater abbrechen (und nach einigen Berichten nach Mou-lang schaffen, was aber nicht glaubwürdig ist), das Theater entgegen ursprünglichen Plänen aber nicht gleich mitabreißen, wozu ihn der Ärger über Jérôme nach Berichten beinahe getrieben hätte. Nach weiteren 15 Jahren Theaternutzung wurde das Gebäude 1828 von Johann Conrad Bromeis (1788–1855) zu einem »Tanzsaal« umgebaut. Das Ballhaus ist in den 1990er Jahren sehr schön wiederhergestellt und das Umfeld nach Plänen von Dipl.-Ing. Maren Brechmacher-Ihnen wieder mit Kastanien bepflanzt worden.

3 – Das Große Pflanzenhaus von Johann Conrad Bromeis ist eine der ältesten Stahl-Glas-Konstruktionen Europas und wurde offensichtlich nach englischen Glashausformen errichtet. Der ursprünglich runde Mittelsaal, der als Festsaal diente, wurde bedauerlicherweise 1887 durch eine höhere kubische Konstruktion ersetzt und als Palmenhaus benutzt. Auf einem der Fotos des Marstalls sieht man noch links hinten die Kuppel über die Bäume ragen.
*6 Das parkseitige Vorfeld des Pflanzenhauses wurde 2002/2003 nach Plänen von Maren Brechmacher-Ihnen wiederhergestellt, wobei der unpassende, schon in der Vergangenheit von Fachleuten wie Dipl.-Ing. Erwin Schwarzer immer wieder gegeißelte zentral auf das Gebäude zuführende Weg der ursprünglichen asymmetrischen Gestaltung wich. Ärgerlicher- und typischerweise wurde dem Pächter des Schloßcafés erlaubt, unmittelbar neben das Pflanzenhaus einen, Sie lesen richtig, Blech-Container zu stellen. Als wollte die Verwaltung der Schlösser und Gärten einmal öfter ihre Unfähigkeit zu ästhetischen Entscheidungen unter Beweis stellen. Auch etwa die leidigen Schwarzwald-Bratwurst-, Crêpes- und Glühweinbuden, die jeden Winter den Lac verschandeln, legen beredtes Zeugnis von dieser Unfähigkeit ab. Wann wird es einen Gartendirektor für das künftige UNESCO-Welterbe geben?

4 – Der Marstall wurde 1762 errichtet und 1790/91 erstmalig umgebaut. Damals wurde mit Materialien, die beim Abbruch des Jagdschlosses Weißenstein des Landgrafen Moritz (an dessen Stelle Wilhelm IX ab 1786 das Schloß Wilhelmshöhe erbauen ließ) angefallen waren, ein neues Obergeschoß aufgebaut; das Renaissance-Dachtürmchen des Jagdschlosses kam als Krönung über das Hauptportal des Marstalls; »Die im Giebel angebrachte Uhr darf als ein Rest des Weißensteiner Schlosses angesprochen werden«.
*12 In dem neuen Obergeschoß wohnte auch Jussow, nachdem er die »Bagatelle« (siehe »Chinesisches Dorf«) verlassen hatte. Der Bau wurde seit Kurfürst Wilhelm II Zeiten bis 1901 als Kaserne und für Wohnzwecke benutzt, danach nur noch für die kaiserlichen Pferde und Wagen. Heute dienen seine Obergeschosse wieder als Wohnungen, die großen Erdgeschoßräume der Parkverwaltung.

5 – Das Schloßhotel steht dort, wo Friedrich II zunächst im Jahre 1767 ein Gasthaus hatte errichten lassen, »
dessen Bewirtschaftung dem ›Coffetier‹ Lambeim übergeben wurde. Früher hatte sich eine Wirtschaft in der nahen Klostermühle befunden, an deren Stelle dann die ehemalige Hofgärtnerwohnung trat. Auch die jetzige Hofgärtnerwohnung wurde damals als Kavalierhaus erbaut, und ebenso ein Marstall und verschiedene andere kleine Stallungen.«*10 »Es bestand aus dem Hauptbau, der mit dem Marstall gleiche Richtung hatte, zwei abgetrennten Nebenflügeln, die wie der höher gezogene Hauptbau als zweigeschossige, mit Mansardendach versehene Putzbauten erscheinen, und einem hinteren Stallgebäude. Diente der Westflügel zeitweise als Amtshaus und Beamtenwohnung, so befand sich im Ostflügel die Wache, das Logis des Baukondukteurs und eine Stallung. Der Hauptbau, in dem einzelne Zimmer für die Zwecke des Fürsten reserviert blieben, wurde zwecks Ausübung des Schankbetriebes an Privatleute verpachtet, ›welche zu dieser Pachtung Lust und die nöthigen Qualitäten haben, auch sonst in gutem Ruf und Vermögens Umständen sind‹. [...] Das gesteigerte Bedürfnis und die mangelhafte Geschäftsführung des Gasthauspächters führten schließlich dazu, daß noch ein zweites Wirtshaus eingerichtet wurde, das vorzugsweise für geringere Leute und die umwohnenden Bauern bestimmt war, wenn sie auf dem Amte zu tun hatten.«
  Dieses Gasthaus wurde um 1826 abgebrochen und in den Wilhelmshöher Obstgärten neu aufgebaut, der heutigen »Waldschule«. (Das klassisch-schöne Gebäude wurde erst 1966, sechs Jahre, nachdem das Land Hessen es an die Stadt Kassel abgegeben hatte, abgerissen.)

Das neue Gasthaus wurde von J.C. Bromeis entworfen:

J.C. Bromeis: Zeichnungen zum Schloßhotel. Oben: Ansicht von Süden (Vorderfront). Unten: Ansicht von Osten (von der Wache her).
*4

Die Fassade wurde bald um einen Vorbau erweitert: »
Da ›die Plantage vor dem großen Ballsaal [der Vorgarten des Hotels] wegen Zugwindes auf derselben nicht allzeit von Besuchern der Wilhelmshöhe benutzt werden‹ konnte, schuf man 1850 vor dem Gasthause den ›Perron‹, den im folgenden Jahre Engelhard mit einem Vorbau aus Eisen und Glas überdeckte.«*11
  Von ca. 1850 bis 1899 wurde das Haus von Hotelier Carl Schombardt (der auch das Hotel Schombardt am Fuße des Rammelsbergs besaß, siehe weiter unten) geführt und danach an Adolf Stecker verpachtet, der es als »Grand Hôtel Wilhelmshöhe« führte.


Postkarte mit Werbestempel. Auf das Bild klicken: Es öffnet sich ein Fenster mit der sehr hübschen Vorderseite. Der Text »Der aufmerksame Ehemann« wirbt dafür, daß man seine Gemahlin sonntags ausführe, ein zusätzlicher Gedicht-Aufkleber Steckers sagt, wohin: »...  am Sonntag man bei Stecker speist ...«.*5

Am 27. April 1930 wurden die drei neuen östlichen Terrassen eröffnet, umgestaltet vom Architekten Heinrich Tessenow (1876–1950, einer der großen Architekten des 20. Jahrhunderts, von dem in Kassel auch Malwida-von-Meysenbug-Schule stammt, die heutige Heinrich-Schütz-Schule). Auch die bis dahin recht karge (talseitige) Ostfassade wurde mit schönen Tessenow-typischen Pergolen ausgestattet, zwei Türen kamen neu hinzu, die zum »Großen Festsaal« führten, einem Saal, dessen Decke noch auf Betreiben des Kurfürsten Wilhelm I mit Weinranken bemalt war, Bemalungen, die Tessenow gerne hätte entfernen lassen, was der Denkmalschutz nicht zuließ. (Eine Anekdote, die Hermsdorff berichtet, sei der atemlosen Welt weitergetragen: »
Es heißt, Wilhelm habe das Werden der Decke höchstpersönlich überwacht und aufgepaßt, daß die Maler auch immer schön bei der Arbeit waren. Die Maler sollen auf den Trick verfallen sein, ihre Arbeitshosen mit daranhängenden Stiefeln vom Gerüst herabbaumeln zu lassen. Der von gewisser Entfernung aus kontrollierende Fürst glaubt dann, es werde gearbeitet und war zufrieden.«) Die neuen Terrassen faßten bis zu 1200 Besucher und waren bald außerordentlich beliebt. Der damalige Kasseler Regierungsbaurat Walter Morin soll Tessenows Arbeit recht gefördert haben.

Im Zweiten Weltkrieg brannte das Schloßhotel bis auf die Grundmauern aus. Um sinnlose 20 Meter in der Bauflucht zurückversetzt wurde in den 50er Jahren ein recht unpassendes Hotel gebaut; die prächtigen Tessenow-Terrassen wurden immerhin erst einmal wiederhergerichtet - fielen aber in den 90er Jahren (!) dem Anbau einer banalen Spielhölle samt lächerlichen Außenwerbungs-Anlagen (die der Kasseler Denkmalschutz tatsächlich abgesegnet haben soll) zum Opfer; die Terrassen-Reste sind nun traurig im üblichen plan- und lieblosen Parkplatz-, Müllcontainer- und Niemands-Raum hinter dem abscheulichen neuen Spielbank-Anbau zu finden (wie in den letzten Jahrzehnten die Unfähigkeit der Planer, mit »Freiräumen« umzugehen, immer wieder verwundert. Muß überall noch ein Verteilerkasten, ein Müllcontainer, ein Schild, ein Parkplatz und derlei Kram beziehungslos verteilt werden? Muß statt Gärten tatsächlich so bezeichnetes »Vor- und Begleitgrün« eingerichtet werden?).

Jahrelange schlagzeilenträchtige Mißwirtschaft haben das Haus zu einer unerfreulichen Angelegenheit gemacht, die wohl nur wegen des historischen Ost-West-Treffens zwischen Willy Brandt und Willi Stoph am 21. Mai 1970 Denkmalschutz genießt und der im Falle, daß sie im Zuge der Museumspark-Pläne abgerissen würde, wohl niemand eine Träne nachweinte (vor allem nicht, wenn der neu zu errichtende Baukörper den Bromeis-Bau wiederaufleben ließe). (Nachtrag Winter 2003/2004: das Haus wurde aus dem Denkmalschutz herausgenommen.)


Aus einem Reiseführer von etwa 1920.*5

6 – Die Wache, erbaut im »Berliner Stil« 1824–1826 von Johann Conrad Bromeis, steht an der Stelle, wo während des Baus des Schlosses ein Pferdestall errichtet worden war, der 1792 zu einem Tanz- und Konzertsaal umgebaut worden war samt Obergeschoß-Wohnung für den Hofgärtner Mohr.
*10 Dieser Bau war dem Gasthaus, dem Vorgängerbau des Schloßhotels, angegliedert, diente also nicht für Hof-Festlichkeiten.*9 Das Haus wurde in den 50er Jahren gekonnt zum Schloß-Café umgebaut; heute ist es ein zu früh (um 17:00 Uhr) schließendes Café mit Plastikstühlen an der tosenden Tulpenallee. Die ästhetische Feinfühligkeit des heutigen Pächters (und leider auch die der Staatlichen Verwaltung der Schlösser und Gärten) läßt sich daran ersehen, daß ein Bau-Container seit der Restaurierung des Großen Pflanzenhauses unmittelbar neben diesem als Ableger des Schloß-Cafés dient und den Park am Fuß des ehemaligen Schneckenberges schändlich verunziert.

7 – Die Post dient schon lange nicht mehr als solche, sondern als Gästehaus der Staatlichen Museen. Das schmucklose Gebäude, errichtet wohl Mitte des 19. Jahrhunderts, das irgendwann recht lieblos hergerichtet wurde, war noch nie ein Schmuckstück des Gebäudekomplexes, wurde aber nur in Zeiten als wirklich störend empfunden, wo noch nicht der heutige Durchgangsverkehr eine ästhetische Wahrnehmung dieser Umgebung ohnehin unmöglich gemacht hatte.

8 - Die Remisen hinter dem Schloßhotel waren wohl als Garde-Gendarmerie-Kaserne erbaut worden und dienten um 1825 jedenfalls zu diesem Zweck. Später wurden sie vom Schloßhotelbetrieb mitbenutzt, als Garagen und wohl auch Dienstbotenwohnungen.

9 – Die Reithalle verdient wegen der ungewöhnlich weiten trägerlosen Dachkonstruktion Beachtung. Dieses Fachwerkhaus hat seit seiner Erbauung (nach Heidelbach 1797
*10, nach Holtmeyer 1789*12) fast unverändert überlebt und steht unter Denkmalschutz.

10 – Das Kavalierhaus, das noch aus der Weißensteiner Zeit stammt, also älter ist als das Schloß Wilhelmshöhe, ist »
ein zweigeschossiges Wohngebäude von rechteckigem Grundriß mit ausgebauter Mansarde. Das Haus, das 1788 [vom Hofgärtnerhaus] zum Kavalierhaus eingerichtet wurde, zu Jérômes Zeit für den Gouverneur und den Pagen bestimmt war, und jetzt wieder die Dienstwohnung des Hofgärtners enthält [heute dient das Haus der Staatlichen Verwaltung der Schlösser und Gärten Hessen als Büro und Wohnung], steht nicht mehr auf dem alten Platze. Bei der gründlichen Umgestaltung der Nebenanlagen wurde es 1825 um ein erhebliches Stück zurückgerückt [dies geschah unter Leitung Bromeis’; das Haus wurde um 20 Meter in einem vielbeachteten Ingenieurs-Kunststück auf die heutige Position versetzt, wozu Fenster, Türen und aus den Holzgefachen die Backsteine entfernt wurden, um die Bauflucht Kavalierhaus-Marstall-Hotel einzuhalten. Kurfürst Wilhelm II wollte zu jener Zeit das Kavalierhaus für seine Geliebte, die Gräfin Reichenbach, herrichten lassen.*6] Bei dieser Gelegenheit erhielt es auch den in Stuck aufgetragenen Palmettenfries zwischen den beiden Geschossen. Hinter dem Wohnhaus hatte der zugehörige Geräteschuppen seinen Platz, der ebenso wie der 1783 hinzugekommene Kavalierpferdestall bei Einrichtung der Kunstgärtnereien und Treibhäuser fiel.«*12

11 – Die Treibhäuser stehen seit dem späten 18. Jahrhundert an dieser Stelle im Westen des Gebäudekomplexes.


Siegeloblate der Hofgärtnerei

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Ca.1910: Blick von Westen auf die Endhaltestelle der Herkules-Bahn und das Oktogon.*5


Aufgenommen zwischen 1930 und 1950 von Südwesten.*5


Ca.1900, vom Oktogon aus.*4


Ca.1900: Foto.*11


Ca.1900: Postkarte.*5


Ca.1900: Postkarte.*2


Ca. 1900: Gasthaus und Herkules vom Weg nach Elfbuchen aus. Eine Stereoaufnahme, wie Sie durch Klicken auf das Bild leicht feststellen werden.*5


Ca.1950: Parkplatz hinter dem Herkules.*5


Ca.1960: Noch steht die alte Gastwirtschaft, zu sehen links im Bild.*5
Gastwirtschaft, Umgebung des »Herkules« und Kaskaden-Restaurant

Das Oktogon
, auch Riesenschloß oder Winterkasten genannt, das die Pyramide mit der Kolossalstatue des Herkules trägt, ist seit dem frühen 17. Jahrhundert das Wahrzeichen Kassels und Nordhessens und gibt dem Park und damit der Stadt das Potential einer künftigen UNESCO-Welterbestätte. Die grandiosen Wassertreppen und die Aussicht vom Bauwerk und den umgebenden Terrassen haben es seit Jahrhunderten zu einem bevorzugten Ausflugsziel gemacht.
  Von etwa 1900 bis 1966 fuhr die Herkulesbahn zur Endhaltestelle in der Nähe des Monuments. Seit der Schließung dieser Bahn kommt man zu Fuß, mit dem Bus oder dem Auto an das Bauwerk heran. Das Jahrhundertmitte-Luftbild vom Herkules zeigt die damals noch einigermaßen strukturierte Peripherie. Damals fuhr man noch mit dem Auto, das natürlich kaum jemand hatte, auf der Serpentinen-Straße (oben im Bild zu erahnen) hinauf, wenn man den Umweg über die Druseltalstraße nicht machen wollte. Heute ist der Parkplatz ein wahrer Schandfleck geworden, wie auch die Buswendeschleife und das häßliche Restaurant-Gebäude den Besucher beim Herannahen desillusionieren (wenn er nicht zu jener beneidenswerten Spezies gehört, die das heute auch in Parks unvermeidliche Gewirr aus Asphalt, Schildern, Papierkörben, Schildern, Parkverhinderungs-Objekten, gammligen Kassenhäuschen, Schildern, kaputten Münzfernrohren und Schildern ignorieren kann).
  Die untergegangene »Wirthschaft am Hercules« paßte hingegen wunderbar an diesen Ort; die alten Bilder des Bauwerks, das aus dem 18. Jahrhundert zu stammen scheint, wärmen das stets wunde Herz des Nostalgikers. Das Haus (im »Touristen-Führer für Kassel und Umgegend von H. F. Lorenz« als »bescheiden« bezeichnet) wurde wohl erst in den unseligen 70er Jahren abgerissen, als der heutige Kaffeebunker errichtet ward – in jenen 70er Jahren, als Kassel einen Krieg gegen sich selbst zu führen schien und so viele würdige Bauten auf dem Altar eines geschichtsverneinenden Selbsthasses geopfert wurden.
  Und bis heute wundert man sich, daß im vom Krieg so schwer getroffenen Kassel überhaupt noch historische Gebäude auffindbar sind, die man abreißen kann (wie etwa den denkmalgeschützten Stadthallen-Anbau, auf dem Bild links, der Ende der 1990er einer grauenerregend häßlich Bausünde von einem Hotel weichen mußte, bei dessen Gestaltung eine Zigarettenschachtel Pate gestanden zu haben scheint):

- oder vernachlässigen (wie etwa den Messinghof, die »Wiege des Herkules«, ein Industriedenkmal ersten Ranges, das zur unaussprechlichen Schande der Stadt Kassel eine nicht endenwollende Odyssee aus Verfall, Spekulation und denkmalzerstörerischer Gleichgültigkeit durchleidet):

Der Messinghof, eine Kostbarkeit im Verfall. Foto: Albert Gronau. Bitte hier klicken für weitere Informationen.


Zuschlechterletzt noch ein Ausschnitt aus der HNA von etwa 1970 (beim Draufklicken geht ein größeres Fenster auf). Dargestellt sind Planungen, aus denen zum Glück nichts wurde, und über die man noch besser amüsiert den Kopf schütteln würde, wenn nicht auch heute noch jederzeit die Bereitschaft bestünde, betonselig die Park-Peripherie mit klotzigen Projekten zuzubauen. Daher: Mitglied werden im Verein »Bürger für das Welterbe«, der sich für eine gute Entwicklung der Park-Peripherie einsetzt! (Beim Klicken auf den Namen öffnet sich die Website des Vereins, wo man sich auch gleich ein Beitrittsformular herunterladen kann.)

»Gastwirthschaft an den Cascaden. Inh.: P. Block«. Postkarte von etwa 1900.*5


Die gleiche Perspektive auf einer anderen Karte.*13


Ca.1910: »WILHELMSHÖHE. Gasthaus zu den Kaskaden.«*5


Das Kaskaden-Restaurant
im Winter, Zweibildkarte von ca. 1910. Links: von den Stufen der Kaskaden aus, rechts: von Osten.*5
Das Kaskaden-Restaurant

Diese Einrichtung ist schon seit über 100 Jahren in den Händen der Familie Block; um 1900 nannte sich das Lokal denn auch »Blockhaus« und wurde auch schon damals (im »Touristen-Führer für Kassel und Umgegend von H. F. Lorenz«) als »bescheiden« bezeichnet, eine Bezeichnung, die auch heute noch durchaus zutrifft. Ein Pachtvertrag mit dem Land Hessen sorgt für ein langwieriges Ärgernis: Die jedem erlaubte Autofahrt durch weite Teile des Bergparks zum störenden Parkplatz beim eigentlich sehr hübschen alten Gebäudekomplex.
  (Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

 

Im Bergpark Wilhelmshöhe


Stereobild: Schloß und »Boulingrin« vom Apollo-Tempel aus, ca. 1900.
*5

Schloß Wilhelmshöhe

»
1998 beginnt der Umbau des Corps de Logis, des Mitteltraktes des Schlosses Wilhelmshöhe. Dieser Mittelbau war im Krieg beschädigt, aber nicht zerstört worden, nach dem Krieg waren im Erdgeschoß noch die Antiken in den klassizistischen Original-Räumen ausgestellt. Um 1950 war die zu großen Teilen noch erhaltene klassizistische Inneneinrichtung bis auf die Außenmauern ausgeweidet worden, und 1974 wurde der Torso zur Galerie der Alten Meister ausgebaut. Weder wurde die Kuppel wiederhergestellt, noch wurden die einzig passenden Sprossenfenster verwendet. Wegen Baumängeln mußte das Museum 1997 geschlossen werden. Auf undemokratische und denkmalschädigende Weise wurde beschlossen, das Schloß möglichst wenig wie ein Schloß und möglichst stark wie ein Museum aussehen zu lassen, was zum Bau eines das historische Gebäude weiter zerstörenden Glasdaches führte. Undemokratisch, weil die Kuppel trotz anderer Wünsche der Kasseler Bevölkerung nicht wiederhergestellt wurde, denkmalschädigend, weil das trotz klarer Äußerungen des Präsidenten der ICOMOS geschah, der das als fatalen Fehler bezeichnete. Im Jahr 2000 wird das entstellte Schloß als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.« (Aus dem Positionspapier des Vereins »Bürger für das Welterbe e.V.« zur geplanten Museumslandschaft Kassel.)


Postkarte, abgestempelt 1915: »
Wilhelmshöhe - Lindenplatz am Neuen Wasserfall«.*5

Der Neue Wasserfall

Der Neue Wasserfall wurde als letztes wichtiges Areal des Bergparks gestaltet. Für seine Anlage mußte das Gut Juliusstein abgerissen werden - die strenge Auffassung des Landschaftsparks vom Beginn des 19. Jahrhunderts duldete keine Parkbauten, sondern hatte das Ideal einer realistisch-idealistischen Naturgestaltung. - Heute liegt der Neue Wasserfall in einer vernachlässigten Ecke des Parks. Durch die Nähe zur Rasenallee machen täglich 18.000 PKWs und LKWs die Natur-Wahrnehmung unmöglich, und der Wasserfall ist seit Jahrzehnten undicht und trocken. Aber bald kommt ja praktisch ganz von alleine die Anerkennung als UNESCO-Welterbe, nicht wahr, und dann wird ganz von alleine alles besser ...


Postkarte von 1903: »
Der Kaiserin Lieblingsplatz«.*5

Der Lieblingsplatz der Kaiserin

Auguste Viktoria, die Gemahlin Kaiser Wilhelms II, schätzte, wenn man der nebenstehenden Postkarte glauben möchte, besonders die kleine Ebene oberhalb der Felsengarten-Treppen unmittelbar nordewestlich des Weißensteinflügels des Schlosses Wilhelmshöhe, und die auch heute noch genauso vorzufinden ist (die Ebene, nicht die Kaiserin).

Holzpavillon an der Rasenallee

Wenn man der Rasenallee weg vom Schloß in Richtung Wilhelmsthal folgt, macht sie alsbald eine scharfe Biegung nach links und biegt bald darauf wieder nach rechts ab. Direkt neben dieser Biegung liegt auf einer Anhöhe ein Rindenhäuschen.
(Wem ist über Alter und Sinn des Gebäudes etwas bekannt?) Das Häuschen ist sehr vernachlässigt – dieser ganze Teil des Parks ist insofern vernachlässigt, als daß die Rasenallee mit ihren über 12.000 Fahrzeugen pro Tag das Vergnügen an diesem eigentlich besonders schönen Teils des Parks unmöglich macht.

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1877: Ein Dampfzug der »Cassel Tramway Company Limited« bei der heutigen Haltestelle »Kurhessentherme«.*11


1880: Das neoklassizistische Endhaltestellen-Gebäude, Blick nach Südosten.*11


1880: Das erste Gebäude von Süden.*11


1910: die gleiche Perspektive wie auf dem vorigen Bild. Das neoklassizistische Gebäude ist einem Gründerzeitbau gewichen.*5


Der gleiche Blick, 2002.
*21


1910:
Blick vom Rammelsberg auf das Straßenbahndepot, wenige Meter unterhalb der Endhaltestelle. Einige Teile wie der Turm und das Gebäude links sind erhalten.
*5

Die Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 1

Die »1« war die erste Kasseler Straßenbahn und ist die weltweit dritte Trambahn überhaupt – vor Kassel hatten nur Paris und Kopenhagen dampfbetriebene »Sekundärbahnen«. Und während in den beiden Vorgängerstädten schon lange keine Straßenbahn mehr fährt, ist die erste Kasseler Linie, die »1«, sogar noch unter gleichem Namen auf der ursprünglichen Strecke unterwegs: Seit 1877 fährt sie vom Königsplatz zur Endhaltestelle am Fuße des Schloßparks. Der Buchhändler Georg H. Wigand, nach dem die Wigandstraße benannt ist (siehe »Villenkolonie), förderte den Bau dieser Bahn, nicht zuletzt, um das ebenfalls von ihm mit-initiierte Hotel »Pensionshaus Wilhelmshöhe« leichter erreichbar zu machen. Schon 1870 betrieb Wigand während der Industrie-Ausstellung (1.6. bis 5.10.) einen »Pferde-Omnibus-Verkehr« nach Wilhelmshöhe.
  1877 eröffnete also die »Cassel Tramway Company Limited« den Dampfbahnbetrieb Königsplatz-Wilhelmshöhe mit zwei in England gebauten Dampfmaschinen (nachdem Versuche mit einem Luftdruckantrieb gescheitert waren) und vier Personenwagen.
  Ebenfalls 1877 wurde ein sehr hübsches neoklassizistisches Endhaltestellengebäude errichtet. Zunächst endeten die Gleise stumpf hinter dem Gebäude. Die heutige Wendeschleife entstand erst später. Schon 1898, ein Jahr vor der Elektrifizierung der Strecke, wurde das Endhaltestellengebäude durch das denkmalgeschützte Gründerzeitgebäude ersetzt, das heute noch fast unverändert (nur leider in schlechtem Zustand) dasteht und das Domizil der Museumspädagogik ist.
  Von Anfang an war der Betriebshof da, wo er heute ist: Zwischen Park und Wahlershausen, am Fuße des Rammelsbergs (siehe auch: »Villenkolonie« / »Panoramen«). Schon 1908 kam der Betriebshof in der Holländischen Straße hinzu, inzwischen hatte 1881 die »Casseler-Straßenbahn-Gesellschaft«, 1897 die »Große Casseler Straßenbahn Actiengesellschaft« den Betrieb übernommen.

Immer wieder ist der heutige gleichgültige Umgang mit »Freiräumen« Anlaß zu Verstimmung: Auf allen Seiten des historischen Endhaltestellen-Gebäudes wird geparkt, mitten auf dem Bahnsteig steht ein häßlicher Bremssand-Spender, Haltestellen-Unterstand und Beschilderung wie auch das Betonstein-Verbundpflaster und alle möglichen weiteren Details geben dem Besucher des Bergparks einen lieblosen und schlampigen Eindruck, zumal der Weg von dem reizenden Gebäude zum Park durch einen der kasseltypischen Fußgängertunnels führt, der, durch groteske Kachelung zusätzlich verunziert, die Querung der vieldurchrasten Tulpenallee bei lebendigem Leibe ermöglicht, die unmittelbar an dem Häuschen vorbei mitten durch den Bergpark brandet.

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Blick vom Rammelsberg nach Westen, Ca.1890. Hinten die Endhaltestelle der Linie 1, noch als neoklassizistisches Gebäude, rechts eine kleine Villa.*4


Postkarte, ca.1900: Blick vom Rammelsberg nach Westen. (Siehe auch die montierte Aufnahme unter »Villen-Kolonie« / »Panoramen«.) Links der erhaltene Turm des Straßenbahndepots, hinten vor dem Schloß die heutige Endhaltestelle der Linie 1, rechts »Hotel & Pension Schmobardt«.*5


Ca.1910: Blick aus dem Hotel Schombardt auf Haltestelle und Park.*5


Ca.1905: Hotel Schombardt.*2


»Mathilde-Zimmer-Stiftung / Elisabethenhaus / staatl. anerkannte Haushaltungs-Schule«. Postkarte von 1919.*5


Elisabethen-Haus. Postkarte von ca.1920.*5 Transkription der Beschriftung: siehe rechts im Text.


Elisabethen-Haus, Ca.1930. Rückseite: »Kassel-Wilhelmshöhe, Weißensteinstraße 709, Elisabethenhaus, Kriegshilfsdienst.«*5


1908: Das »Kur-Hotel« und spätere »Luisenhaus« der Elisabeth-Zimmer-Stiftung in der Kohlenstraße, der heutigen Druseltalstraße.
*5


Soll man es glauben? Das ist der Neubau des um 1967 abgerissenen »Luisenhauses«, aufgenommen aus fast der gleichen Perspektive wie das vorige Bild. (Postkarte von ca. 1975.)
*5


Ca.1910: »
Zimmersches Töchterheim Katharinenhaus in Cassel, Amalienstraße 3 u. 3 1/2«.


Ca.1910:
»Mathilde-Zimmer-Stiftung. Töchterheim Johannahaus. Kassel, Humboldstraße.«


Ca.1928: Ein anderes »Töchterheim Katharinenhaus (M. Zimmerstiftung). Kassel. K. Lindenbergstr.71«.*18

Der Rammelsberg

Ein Hügelkamm, der sich von der Wilhelmshöhe aus nach Osten, parallel zur Wilhelmshöher Allee, bis ungefähr zur Höhe des Bahnhofs Wilhelmshöhe in Richtung der Stadt Kassel erstreckt. Zwischen ihm und dem Park Wilhelmshöhe liegt das Gebiet der »Prinzenquelle«, das als schützendes ländliches Vorfeld des Parks und als Naherholungsgebiet dient (siehe den vorigen Abschnitt zur Domäne Wilhelmshöhe).
  Auf der Wilhelmshöher Seite des Rammelsbergs wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein kleines Fachwerkhaus errichtet, zunächst wohl als Wohn- oder Wochenendhaus. Von hier hatte man einen herrlichen Blick auf den Park. Vor dem Schloß sah und sieht man die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1. Das Endhaltestellengebäude wurde in den 1877 in neoklassizistischem Stil erbaut, aber schon 1898 durch den schmucken Gründerzeit-Bau ersetzt, der bis heute steht (siehe den vorigen Abschnitt). Das Fachwerkhäuschen wurde bald erweitert und war das »Hotel & Pension Schombardt« und somit (wie auch das Schloßhotel, siehe oben und das vorherige Hotel »Schloß Weißenstein an der Einmündung der Landgraf-Karl-Straße in die Wilhelmshöher Allee, siehe weiter unten bei »Hotels und Restaurants«) unter Leitung von Carl Schombardt, der das Schloßhotel ab 1899 an Adolf Stecker verpachtete und nur noch das Rammelsberg-Haus führte (siehe »Schloß-Nebengebäude« weiter oben).
*6
  Nach einer erneuten Erweiterung (wohl noch als Hotel) wurde es vor 1920 als »Elisabethenhaus« Bestandteil der Berliner Mathilde-Zimmer-Stiftung:


Anzeige von 1929. Das »Elisabethenhaus«, Weißensteinstraße 70, ist links dargestellt. Das »Luisenhaus« war das erst in den 70er Jahren frevlerisch abgerissene prächtige Haus an der Druseltalstraße, das einstige »Kur-Hôtel Wilhelmshöhe«, damals Kohlenstraße 329 (Bild links unten). Das »Katharinenhaus« stand in der Amalienstraße 3, Bild links unten). In den 10er Jahren gab es auch das »Mathildenhaus« in der Steinhöferstraße 8 (siehe dort), und in der Humboldtstraße am Weinberg das »Johannahaus«. Zur Geschichte der Mathilde-Zimmer-Stiftung: Friedrich Zimmer, evangelischer Theologe und Pädagoge, 1855–1919, war seit 1884 Professor in Königsberg. Er leitete von 1890–1898 das Predigerseminar in Herborn und von 1898–1906 den Diakonieverein in Zehlendorf. 1894 gründete er den Evangelischen Diakonieverein in Eberfeld, das erste Diakonieseminar in Kassel und das erste Evangelische Töchterheim, und 1906 den Evangelischen Frauendienst. In Zehlendorf baute er ein Heim mit Frauenoberschule, Kindergärtnerinnen-Seminar und Fürsorgeanstalt auf, aus dem 1907 die heute noch existierende »Mathilde-Zimmer-Stiftung e.V.« hervorging.

Drei Postkarten zeigen das Haus in der Elisabeth-Zimmer-Stiftungs-Zeit: Die erste zeigt den Blick auf Park und Herkules, die zweite ist erfreulicherweise beschriftet:

1 = Turmzimmer
2 = Löwenburg
3 = Rembrandtzimmer
4 = Frl. Helenes Z.
5 = Pommenburg
(?) Sonnenburg (?)
6 = Richterz.
7 = Be
(e)thovenz.
8 = großes Lesez.
9 = mit Balkon = kl. Lesez.
10 = Spitzwegz.
[verso:] Mein Zimmer kann man nicht sehen, es liegt nach hinten hinaus. Ist es nicht prachtvoll hier? Ja, schön! In den anderen Zimmern weiß ich gar keinen Bescheid.
Auf der dritten, die eine Privataufnahme mit Postkartenrückseite von etwa 1930 ist, steht schon der erhaltene sehr schöne Siedlungsbau-Riegel in der Rammelsbergstraße, der ab 1925/26 von der »Baugenossenschaft Deutscher Kriegsopfer« errichtet wurde; man blickt hier auf das westliche Abschlußhaus.

Noch heute steht das Elisabethen-Haus; es ist jetzt Bestandteil des architektonisch wohl vom Westwall inspirierten Gebäudekomplexes der »Verbände der landwirtschaftlichen Sozialversicherung« aus diesen ewigen 70er Jahren geworden; das Turmdach ist gestutzt.

  (Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

Postkarte von ca.1915: »Oberes Druseltal« im Habichtswald.*5


»Ahnatal, Förstersteg«

»Teufelsmauer, Hirzstein«

»Porta Lapidaria«
Ca. 1910: Drei Postkarten mit Naturaufnahmen aus dem Habichtswald.*19


Karte des Bergparks und von Teilen der Villenkolonie sowie des Habichtswaldes. Unten die Druseltalstraße. Aus einem Reiseführer von ca. 1910.*5

Hotels, Restaurants und Ausflugsziele in Wilhelmshöhe, Habichtswald und Brasselsberg
(Die Hotels, Pensionen und Gaststätten in Mulang finden sich auf der Seite »Villenkolonie«.)

 
Inhalt dieses Teilkapitels:
Wilhelmshöhe, Habichtswald, Brasselsberg
Gasthof Wimmer, Wilhelmshöhe
Hotel Schloss Weissenstein / Schombardt
Gaststätten Wilhelmshöhe
Pensionat Bergér in der Landgraf-Karl-Straße
Lösers Sommerfrische, Gasthaus »Alte Drusel«
»Möllersruhe«
Neue Drusel
Neu-Holland
Sonnenhof, Habichtswald
Gaststätte Silbersee, Habichtswald
Herbsthäuschen, Habichtswald
Igelsburg, Habichtswald
Zeche Marie, Habichtswald
Pension Habichtswalderhöhe, Habichtswald
Kinderheim Lauterbad
Der Bismarckturm
Gaststätte Zum Bismarckturm
»Steinernes Schweinchen«
Café Waldfrieden, Brasselsberg
Aussichtsturm und Restaurant »Hohes Gras«


Der heutige Stadtteil Wilhelmshöhe besteht aus
– dem Dorf Wahlershausen (1123 erstmals in einer Urkunde des Klosters Hasungen als »Warolfeshusen« erwähnt), direkt nördlich der Wilhelmshöher Allee, von dem sich noch viele alte Höfe und Gebäude sowie dörfliche Atmosphäre erhalten haben,
– dem Schloßpark Wilhelmshöhe mit seinen Gebäuden, darunter dem »chinesischen Dorf« Mou-lang und den oben beschriebenen Nebengebäuden,
- der Villenkolonie Mulang,
– der Bebauung an der Wilhelmshöher Allee westlich des Stadtteils »Vorderer Westen«,
– der Villenkolonie Neu-Holland,
- der Gartenstadt Flüsseviertel,
- und der Marbachshöhe, einem neuen Quartier auf altem Kasernengelände.

Der Habichtswald, das große Waldgebiet, das westlich des Parks Wilhelmshöhe liegt und ihn an den Hängen des Hunrods-, Karls- und Hüttenbergs umfängt, ist von ungewöhnlicher Schönheit. Der Wald - zu großen Teilen Naturpark - und seine Ausflugsziele sind seit langem ein bevorzugtes Naherholungsgebiet Kassels. Die Bürgerinitiative »Pro Habichtswald« kümmert sich um seine Erhaltung und wendet sich vor allem gegen die zerstörerischen Steinbrüche (siehe auch im Kapitel »Kurort Wilhelmshöhe« das Ende des Unterkapitels »Goßmann«.)

Die Gartenstadt Brasselsberg ist eine sehr wohnliche, um 1900 gegründete Siedlung. Sie liegt südlich von Wilhelmshöhe am Saum des Habichtswaldes (siehe auch das Kapitel »Villenkolonie«, Unterkapitel »Was ist eine Villenkolonie?«).


Postkarte mit einem Gedicht von Gustav Wentzell.*5


Mehrbild-Postkarte von ca.1920: »Gasthof Wimmer, Cassel-Wilhelmshöhe | Besitzer: CARL KEIM« (Foto: Eberth). Das Haus ist zerstört.*5

Gasthof Wimmer

In kaum einem Kasseler Reiseführer bis zum Zweiten Weltkrieg fehlt ein Hinweis auf den »Gasthof Wimmer«. Die Adresse war Wilhelmshöher Allee 309, das im 2. Weltkrieg zerstörte Haus stand also neben dem bekannten Geschäftshaus »Schwedes«. Heute steht dort die (leider sehr unschöne und unpassende) Halle des Malerbetriebs Schalles, der generationenlang von dieser verdienstlichen alt-Wahlershäuser Familie geführt wurde. Der alteingesessene Gasthof, gegründet von Justus Wimmer (1854–1931), fortgeführt von Karl bzw. Carl Keim, hatte eine für Kassel typische offene Garten-Holzhalle. Er spielte gelegentlich auch eine historische Rolle, etwa während der Revolutionswirren am Ende des Ersten Weltkriegs, als Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und seine Offiziere vom Wilhelmshöher Schloß aus drei Monate lang die Demobilisation der deutschen Truppen organisierten und dabei im Schloßhotel wohnten, denn »das Schloß gehöre dem Kaiser«. Die Verpflegung im Hotel war damals schlecht, also ging man lieber zu Wimmer. Hindenburg habe sich besonders gerne das »Weckewerk«, die berüchtigte Nordhessische Spezialität, servieren lassen (die Verpflegung muß wahrlich schlecht gewesen sein, wenn diese kulinarische Mutprobe eine willkommene Abwechslung war); er sei jeweils Punkt 19.55 Uhr erschienen und Punkt 22.55 Uhr wieder gegangen (versteh’ einer die Soldaten). Der unter Hindenburg bei seinen Besuchen geächzt habende Thonet-Stuhl wurde nach seiner Abreise mit einer Messingplakette versehen, die die Nachwelt darüber belehrte, wes’ Hintern dieses Möbel einst gedrückt.*6


Anzeige von ca. 1910.
*5

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Ca. 1910: Der Bahnhof Wilhelmshöhe mit Blick nach Nordwesten. Das heutige Empfangsgebäude steht quer zu den Geleisen rechts. Hinter dem Bahnhof ein zerstörtes Haus und das heutige Hotel »Kurfürst Wilhelm I«. Dahinter, von den Bäumen verdeckt, erkennt man das Hotel Schloss Weißenstein.*5


Ca.1895: »Hotel & Restaurant Schloss Weissenstein. Cassel. Bahnhof Wilhelmshöhe. Besitzer F. Belz.« Sehr lustig idealisierende Postkarte, die mit Hilfe von Fotomontage und Zeichnung so tut, als stünde das Haus direkt am Park.*5


Das gleiche Haus als »Hotel Schombardt«, ca. 1910.*1

Hotel Schloß Weißenstein / Hotel Schombardt

An der Einmündung der Landgraf-Karl-Straße in die Wilhelmshöher Allee steht heute noch ein Haus, dem man die einstige Pracht trotz grotesker facettierter Ausstülpungen im Erdgeschoß immer noch ansieht: das ehemalige Hotel »Schloß Weißenstein« (Besitzer: F.Belz) und spätere Hotel Schombardt (Carl Schombardt führte auch das Hotel Schombardt am Rammelsberg und das Schloßhotel, siehe oben). Im dritten Geschoß wohnte jahrzehntelang die Komponistin Luise Greger (siehe »Persönlichkeiten) und hielt dort hof.

Ob »F.Belz« mit dem Besitzer des »Etablissement Belz« in Bettenhausen identisch war? Hermsdorff berichtet im »Blick zurück 1324«: »
Das ›Etablissement Belz‹ in Bettenhausen lud [Ostern 1890] zu einem großen Konzert mit dem ›Auftreten verschiedener Specialitäten und Ringkampf‹. Versprochen wurden ›100 MK Prämie demjenigen, welcher den Ringkämpfer besiegt‹.« – Die Verschiedenheit damaliger Vergnügungen von den heutigen zeigen sich auch in Reiseführer-Anzeigen durchaus hochfeiner Kasseler Häuser, die Ende 19. Jahrhunderts mit dem Auftritt von »Carawanen« und »Abnormitäten« um Speisegäste warben.
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Gaststätten Wilhelmshöhe
um 1920.*5

Gaststätten Wilhelmshöhe

Die »Gaststätten Wilhelmshöhe am Bahnhof, Wilhelmshöherallee 255« befanden sich in einem heute nicht mehr existierenden Haus vor dem heutigen Hotel »Kurfürst Wilhelm I«. Die Postkarte zeigt links unten einen Blick von der Wilhelmshöher Allee aus in Richtung Südwesten. Links befinden sich heute die Säulen des Bahnhofs-Vordachs, wo das große Haus stand, ist die große Freifläche des Willy-Brandt-Platzes.


»Pensionat Bergér.
Cassel-Wilhelmshöhe. Landgraf-Carlstr. 23.«*5

Das »Pensionat Bergér«

Im heute noch erhaltenen, vor einigen Jahren recht behutsam ausgebauten Haus Landgraf-Karl-Straße 23, das um 1895 entstanden sein mag, befand sich eines der zahlreichen Wilhelmshöher Pensionshäuser: Wir blicken von der Straßenbahnhaltestelle Walther-Schücking-Platz in die Kunoldstraße, in Richtung des Wilhelmsgymnasiums. Text auf der Karte: »Fräulein M. Wagner / Zeitz / Kaiser-Wilhelmstr. / Liebes Mariechen! Herzl. Grüße aus Kassel sendt Euch allen Grete. Sonntag haben wir in ganz Kassel Blumen verkauft zum Besten eines Kindergartens. Dienstag haben wir die ganze kaiserliche Fam. mit Gefolge aus reiten sehen. Gestern waren wir in der Missionsausstellung u. dann im Marmorbad. Gestern Abend war großer Betrieb auf unserer Sperlingslust. Näheres kann ich auf einer Karte nicht schreiben aber im nächsten Brief. [...] Gestern waren wir unfreiwillig in Sperlingslust eingeschlossen [...] die Andern hatten aus Ulk die Flurtür abgeschlossen u. wir saßen 10 Uhr Abends 10 Mann hoch oben. Sind dann aber glücklich wieder in unsrer blauen Stube angelangt. Einen Schuh hatte ich verloren und mein Tuch. [...]« - Die »Sperlingslust« war eine Dachkammer des Hauses, wie auf der Karte verzeichnet ...

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Druseltal:
Postkarte von ca. 1900.*5


»
Lösers Sommerfrische und Gasthaus ›Alte Drusel‹ bei Wilhelmshöhe. Haltestelle der Herkulesbahn«. Anzeige von ca. 1910.*5

Lösers Sommerfrische und Gasthaus »Alte Drusel«

Die nebenstehende Karte ist beschriftet: »Löser, Sommerfrische, Drusel b/Wilhelmshöhe«.

Die Anzeige hat den Text: »Im schönsten Teile des Druseltales, prächtigem Fichtenwalde unmittelbar gegenüber, 1/4 Stunde vom Herkules und den Kaskaden entfernt. Mittelpunkt für Ausflüge nach den schönen Aussichtspunkten des Habichtswaldes. Angenehmer, zwangloser Aufenthalt für Sommerfrischler u. Rekonvaleszenten. Anerkannt gute Verpflegung. Eigene Milchwirtschaft. Neues schönes Kurhaus, zeitgemäss eingerichtet, elektr. Beleuchtung, kalte und warme Bäder. Sämtliche Zimmer mit Balkons. Volle Pension 4-6 Mark pro Tag inkl. Zimmer. Abholung des Gepäcks ab Station Wilhelmshöhe oder Kassel gratis. Gefällige Anfragen beantwortet umgehend Nikolaus Löser.«
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Postkarte, gestempelt 1905: »
Wilhelmshöhe Möller’s Ruh«.*5 (In der linken oberen Ecke der Karte sieht man eine umgeknickte Briefmarke. Wem die sogenannte »Briefmarkensprache« nicht bekannt ist, der klicke hier, um auf eine Website zu diesem Thema zu gelangen.)

Möller’s Ruh oder Möllersruhe

Oberhalb des einstigen Standortes der Goßmannschen Heilanstalt stand ein Rindenhäuschen, das ein Lieblings-Ruheplatz eines Herrn Möller war. Auf der Postkarte ist am Baum hinter der Terrasse ein Schild auszumachen: Man entziffert gerade noch »
Warnung« ...

Nach Auskuft unseres Gewährsmannes Yannick Philipp Schwarz soll es dort einen Gedenkstein geben oder gegeben haben, der an das Scheidemann-Attentat erinnert. »Das Häuschen Möllersruhe ist dahin. Das ganze Areal ist durchzogen von romantischen Wegen die sich an die steilen Kanten der alten Steinbrüche schmiegen. Zum Teil wird man mit grandiosen Aussichten belohnt, auch werden sehr spannende Einblicke in den großen Steinbruch gewährt. An der Stelle der Möllersruhe ist noch heute ein Plateau zu erkennen. Allerdings führen nun sechs große Sandsteinstufen zu einer Art von Altar hinauf. Der Altar ist etwas 150 mal 100 Zentimeter groß und aus grobem Basalt gemauert. Es handelt sich wohl um Reste der Möllersruhe« ...

Durch Klicken auf diese Worte öffnet sich ein Fenster mit einem Hermsdorff-Beitrag über Reinhard Hochapfel, auf dessen Anregung hin ein Weg von Möllersruh zum Asch angelegt ward.

Und hier ein Link mit einem Hermsdorff-Bericht zum Blausäure-Attentat auf Scheidemann unweit von Möllersruhe.


Ca. 1895: Die Neue Drusel an der damals friedlichen Druseltalstraße - und noch ohne die Schienen der Herkulesbahn.
*5


Postkarte: »
Zur neuen Drusel, Winter 1901«.*5


»
Gruss aus der Restauration u. Pension von H. von Vultée, Neue Drusel bei Wilhelmshöhe, den .......«. Postkarte von ca. 1905.*5


Ca. 1910: Blick von oben auf Druseltalstraße und Neue Drusel.
*5






Drei Aufnahmen von ca. 1960, mit Triebwagen der Herkulesbahn.
*17

Neue Drusel

Die »Neue Drusel« wurde in der Druseltalstraße an der Herkulesbahn als Gasthaus erbaut und ist nach vielerlei anderer Nachkriegs-Nutzung seit 1950 wieder als solches unter der Leitung der Familie Simon erfolgreich in Betrieb. Für die Website des heutigen Hauses hier klicken. Einige Zitate aus der historischen Abteilung dieser Site:

»Das Hotel ›Neue Drusel‹ hat in seinen bestehenden Jahrzehnten schon vielen Zwecken, beispielsweise als Entbindungsheim, Krankenhaus und Truppenquartier gedient. Schon vor dem zweiten Weltkrieg wurde es als beliebtes Ausflugslokal angesehen. Familien spazierten aus der Stadt mit Kind und Kegel nach Wilhelmshöhe, um hier gemütlich einzukehren. Mit der Neueröffnung am 15. Januar 1950, nach der kriegsbedingten Zweckentfremdung wurde die Neugestaltung der Gasträume und Zimmer nach selbst entworfenen Plänen des Eigentümers und bekannten Hoteliers Oskar Simon, durchgeführt. Da sich das Hotel bereits seit 60 Jahren im Besitz der Familie Simon befindet und während dieser ganzen Zeit an Grundsätzen, wie den Gästen nur das Beste zu bieten, festhält, gilt es als Haus mit Tradition.«

Anzeige aus einem Fremdenführer von ca. 1910.*5
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Gastwirtschaft »
Neu-Holland, Wilhelmshöhe. Bes. H. Hofmann.« Postkarte von ca. 1905.*5


Postkarte von ca.1910:
»Cassel-Wahlershausen
Villenkolonie im Druseltal
«.*5

Neu-Holland

In der Druseltalstraße, an einer Haltestelle der Herkulesbahn, entstand zu Füßen des »kleinen Herkules« zwischen den Anhöhen »Hüttenberg«, »Kleinem Steinkopf« und »Habichtspiel« die Gastwirtschaft »Neu-Holland«, in deren Nähe bald eine kleine Villenkolonie wuchs: das auch heute noch sehr hübsche Neuholland mit der Hüttenberg- und der Krähhahnstraße.

Anzeige von ca. 1910.*5
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)

Sonnenhof, Krähhahnstraße 8, Frau Lotte Seel.

Sonnenhof


Anzeige von ca.1930.*5 – Gibt es das Haus noch?

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Ca. 1955: Die »Gaststätte Silbersee« nordwestlich des Herkules.*5

»Gaststätte Silbersee«,

in den 50er Jahren in Besitz von Alois Hanak, ist auch heute noch in stark umgebautem und erweitertem Gebäude ein besonders nettes, kinderfreundliches Ausflugsziel, das nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen ist. mit guter Küche. Die heutige Besitzerin ist Margarete Hanak-Huy.
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Das Herbsthäuschen um 1915.*5

Herbsthäuschen

Wenn man mit dem Bus der Linie 43 (ab Druseltal, Endhaltestelle der Straßenbahn-Linie 3) zum »Essigberg« fährt und am Ausflugslokal »Hohes Gras« vorbei zu Tale schreitet, stößte man heute noch auf das stark umgebaute, aber immer noch sehr nette Ausflugslokal »Herbsthäuschen«, geführt von Frau Heike Röhl.

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)

Gast- und Pensionshaus »Zur Igelsburg«, 50er Jahre.*5

Igelsburg

»Wer recht der Ruhe pflegen will, / ein Plätzchen suchet freundlich still, / dem sei am Habichtswaldesrand / das Gasthaus ›Igelsburg‹ genannt. // Gast- und Pensionshaus zur ›Igelsburg‹ am Habichtswald bei Kassel, 466 m.ü.d.M. Post Dörnberg über Kassel 7 – Ruf Zierenberg 208 / Pächter Fritz Lempke«. So steht es auf der Rückseite der Karte gedruckt. Wer allerdings heute das Schild »Igelsburg ist keine Gaststätte« übersehen hat, wird von allerhand Hunden nachdrücklich auf diesen Umstand hingewiesen.

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)




Zwei Postkarten vom Gasthaus Zeche Marie, 20er Jahre.
*5

Das Gasthaus »Zeche Marie«,

im Druseltal gelegen, hatte seinen Namen von der nahegelegenen Braunkohlengrube. Der Besitzer war vor dem 2. Weltkrieg ein »H. Dung«; über die Geschichte des Hauses ist weiter (noch) nichts bekannt.
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Pension Habichtswalderhöhe
(Frau Luise Bohl), »Hüttenbergstr. 14«, ca. 1910. Auf dem Haus steht »Erholungsheim«.*5

Die Pension Habichtswalderhöhe

stand hinter dem Herkules, unweit der Endhaltestelle der Herkulesbahn. Von diesen Gebäuden sind nicht einmal mehr Reste erhalten.


Um 1920: »Erholungshaus Habichtswald«. Postkarte.*5


Privatphoto: Das Gebäude in den 30er Jahren.*20


Postkarte
mit Zeichnung des Hauses von 1934: »Preuß. Beamten-Erholungsheim«.
*5


1950: »Kneipp-Kinderheim Haus Habichtswald.« Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein PDF. Der Prospekt zeigt viele Bilder und gibt Informationen, die Datei hat aber auch 2 MB.
*1

Das Kinderheim Lauterbad

auf den Höhen des Habichtswaldes, unfern des Golfverein-Hauses.
  Das Haus wurde wohl um 1910 errichtet; die ursprüngliche Funktion habe ich noch nicht ermitteln können, vielleicht war es von Anfang an das »Erholungshaus Habichtswald«? Das sehr schöne, im »Stil um 1800« errichtete Haupthaus diente jedenfalls in den 30er Jahren als Beamten-Erholungsheim.
  
Bei der Wiederaufnahme des Kurbetriebes in Bad Wilhelmshöhe wurde es in den 50er Jahren »Kneipp-Kinderheim Haus Habichtswald«. Der Prospekt ist nebenstehend abgebildet, beim Klicken öffnet sich ein PDF mit allen 8 Seiten. Das Haus war unter gleicher Leitung wie das Gesundheitshaus Wilhelmshöhe, die frühere Goßmannsche Anstalt, also unter derjenigen von Dr. Kluthe.

Heute ist es das »Heil- und Erziehungsinstitut Lauterbad«. Zum Namen und der Funktion einige Zitate aus der sehr gelungenen und informationsreichen Website:
  »Kinder, die in ihrer Entwicklung hinter Gleichaltrigen zurückbleiben, bedürfen zur Entfaltung der auch in ihnen liegenden Fähigkeiten ganz besonderer Obhut und Sorgfalt in der Erziehung. 
  Es ist für  viele von ihnen schwer, diese intensive Betreuung in ihren  Familien und den  öffentlichen Schulen zu finden. Für diese Kinder mussten deshalb innerhalb des sozialen Lebens Bereiche entstehen, wo ihren besonderen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann. Als ein solcher Ort versteht sich das Heil- und Erziehungsinstitut Lauterbad.
  Der Name »Lauterbad« hat seinen Ursprung in dem kleinen Ort Lauterbad / Schwarzwald, wo im Februar 1950 die heilpädagogische Arbeit im Institut ihren Anfang nahm. 1958-59 zog die gesamte Einrichtung von Süddeutschland nach Kassel um; der Name wurde bis heute beibehalten.
«
  Für die Website des Kinderheims Lauterbad bitte hier klicken.

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


»Cassel, Bismarcksäule am Brasselsberg.« Bild von der rechts genannten Website.

Der Bismarckturm

Über den Bismarckturm auf dem Brasselsberg, eingeweiht am 9. September 1904 und immer noch vorhanden, gibt es eine Seite von Herrn Jörg Bielefeld: »Bismarcktürme und Bismarcksäulen«. Hier klicken, um auf die entsprechende Seite mit Bildern und zahlreichen Informationen zu kommen.

  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Brasselsberg, nach 1911:
Restaurant Zum Bismarckturm. Erhalten.*5

Zum Bismarckturm

»Gruss aus Restaurant und Pension ›Zum Bismarckturm‹. Besitzer: Heinr. Vollgraff, Cassel-Wilhelmshöhe.« Das Lokal steht noch an der heutigen Konrad-Adenauer-Straße und wird noch bewirtschaftet. Die Herkulesbahn fährt seit 1966 nicht mehr. Hübsch ist ihre Abbildung als Totalretusche auf der Postkarte.
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


Brasselsberg, ca.1915:
Restaurant Steinernes Schweinchen. Erhalten.*5

Das Steinerne Schweinchen

Ein Lokal schräg gegenüber dem Restaurant »Zum Bismarckturm«, das dort schon seit etwa 1900 betrieben wird, zunächst von Heinrich Köther. Heute bietet das sehr gepflegte Haus unter der Leitung von Familie Nähler ein Hotel, ein Restaurant mit gehobener Küche und nebenan unter gleicher Leitung einen Brauereigasthof. Auf der Website des Hotels und Restaurants (hier klicken) befindet sich auch eine kurze Geschichte des Hauses, aus der hier zitiert wird: »Das Hotel-Restaurant »Zum Steinernen Schweinchen« wurde 1864 als Postkutschenstation erbaut. Gegenüber [...] befand sich zu damaliger Zeit ein Steinbruch. Dort wurde ein Stein entdeckt, der eine verblüffende Ähnlichkeit zu einem Schweinerücken aufwies. Somit war schnell ein Name für die Poststation gefunden. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das »Steinerne Schweinchen« zum beliebten Ausflugslokal. [...] Im 2. Weltkrieg wurde ein Großteil des Hauses zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1951. Danach widerfuhr dem Haus noch größere Ehren, da bekannte Filmfestspiele in Kassel im Hotel Reiss abgehalten wurden und [...] Filmstars wie Rudolf Platte, Hans Moser usw. im »Steinernen Schweinchen« übernachteten. [...] Ende der 60er Jahre wurde das Haus gastronomisch geschlossen. Bis 1994 beherbergte das Haus Asylanten, Sprachenschule, Gymnasium usw. Die letzten 12 Jahre war es zur Bauruine deklassiert und vom Keller bis zum Dachboden ausgebrannt. [...] Familie Nähler kaufte das Anwesen 1994 und brachte, nach einer umfangreichen Renovierung, den Glanz der alten Zeit zurück.«


Anzeige von ca. 1910.
*5
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)


»Café Waldfrieden
Kassel-Wilhelmshöhe
am Brasselsberg
«. Zweibild-Postkarte von ca.1920.*7

»Café Waldfrieden«

am Brasselsberg. Es wurde bis in die 60er Jahre von der Familie Lose betrieben. Nach dem Krieg erhielt es einen kleinen Anbau und war bis in die 70er Jahre Hotel und Pension. Das Haus steht noch nahezu unverändert in der Brasselsbergstraße 1a. Das Untergeschoss des kleinen Seitenflügels beherbergte eine Backstube, in der ausgezeichnete Sahnebeutel entstanden sein müssen. (Für diese hart recherchierte Mitteilung erneuten Dank an Yannick Philipp Schwarz.)


Ca. 1900.*5


Ca. 1920.*5


Ca. 1925.*5



Ca. 1935.*5

Aussichtsturm und Restaurant »Hohes Gras«

Wenn man durch den Bergpark, vorbei am Herkules geradeaus durch den Habichtswald wandert, kommt man erst zum »Essigberg« und dann zum »Hohen Gras«, der mit 615 Metern über NN höchsten Erhebung des Naturparks Habichtswald.

Auf dem Hohen Gras steht seit etwa 1900 ein Aussichtsturm, der inzwischen von den umstehenden Bäumen überragt wird und dessen Krone von einem Funk-Dingsbums eingenommen wird. Besichtigung ist nur noch eingeschränkt möglich.

Die Gaststätte Hohes Gras wird geführt von Michael Bröffel und hat die Telephonnummer 0561-32166. Montag ist Ruhetag. Ganzjährig geöffnet, kinderfreundlich.

Seit einigen Jahren gibt es dort einen Skilift, was die Gegend im Winter dem Romantiker nicht unbedingt anziehender macht. Hier das Link zur entsprechenden Site, die auch Anfahrtsmöglichkeiten zeigt.

In unmittelbarer Nähe liegt der Truppenübungsplatz Ehlen - Hohes Gras, von dem durch Klicken auf diesen Link sonderbare Bilder zugänglich werden.
  (Nach oben zum Teil-Inhaltsverzeichnis.)
  (Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

Auf der Website der Universität Kassel wird mit einem ausführlichen Text auf ein Buch hingewiesen:
»Alfred F. Groeneveld: Im Außenkommando Kassel des KZ Buchenwald. (Nationalsozialismus in Nordhessen – Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, Band 13) Kassel 1991.«
Hier klicken für die Hinweis-Seite der Uni Kassel.

Siehe auch das Kapitel »Villenkolonie«, Unterkapitel »Außenkommando Druseltal«.


Der »Waldweg« oder »Panoramaweg«.
Postkarte von ca. 1910. Die Perspektive war um 1944 unverändert: Hinter uns liegt das Goßmannsche Sanatorium, wir blicken rechts auf die Villenkolonie. Der auffällige Turm gehört zum Haus Hugo-Preuß-Str. 5. Wenn man den Weg noch 100 m weitergeht, hat man zur Linken die zunächst errichteten und bis heute erhaltenen SS-Baracken. Diesen Weg hatten die in den Baracken beschäftigten Häftlinge täglich zweimal in einer Kolonne zurückzulegen, bewacht von Mannschaften und Hunden.*5

Das »Außenkommando Druseltal« des KZ Buchenwald

»KZ-Häftlinge bildeten im nationalsozialistischen Ausbeutungs- und Terrorsystem eine eigene Kategorie, da es, anders als bei den Zwangsarbeitern, nicht primär um die Ausnutzung ihrer Arbeitskraft ging. In ihrem Fall war die Arbeit ein Mittel zu ihrer Vernichtung, das zudem noch Profit abzuwerfen versprach.« (Heinz Wegener, Untersuchung zur Situation der Zwangsarbeiter in Kassel im Zweiten Weltkrieg, Juni 2002, www.stadt-kassel.de, Suchbegriff »Druseltal«)

Aus dem Heft »
kassel ..... anders gesehen! Führer zu den Stätten des Widerstands, der Verfolung und des Krieges (Kasseler Hefte 1)«*15:

»
KZ-Außenlager Druseltal
In Kassel waren nicht nur russische Zwangsarbeiter in Rüstungsbetrieben und für andere Aufgaben eingesetzt, sondern auch Häftlinge des KZ Buchenwald.
  Im Druseltal
[...] wurde ein Außenkommando mit über 150 Häftlingen im Sommer 1943 eingerichtet. Aufgabe der Häftlinge war es u.a, Erd- und Bauarbeiten für Haus, Bunker und andere Anlagen des Höheren SS- und Polizei-Führers Erbprinz von Waldeck und Pyrmont auszuführen.
  
[Josias Georg Wilhelm Adolf Fürst zu Waldeck und Pyrmont; er gehörte zum »Jungdeutschen Orden« und war das erste Mitglied des alten deutschen Adels, das von der SS rekrutiert wurde. * Arolsen 13.05.1896, † Schaumburg 30.11.1967. Die Website des »Simon Wiesenthal Center« schreibt: »An SS general, Waldeck-Pyrmont set up the ›Bureau for the Germanization of Eastern Peoples.‹ The Buchenwald concentration camp was under his jurisdiction and he ordered the execution of Karl Koch, Commandant of Buchenwald, for the crime of profiteering. Sentenced to life by an American court in Dachau, he was freed because of ill health.« Siehe auch: Anke Schmeling: »Der Höhere SS- und Polizeiführer Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont«, in: Alfred Groeneveld, a.a.O.]
  Die Häftlinge waren in einem ehemaligen Fabriksaal untergebracht, in dem die Feldbetten vierstöckig, in Einzelfällen fünfstöckig übereinander standen. Es waren rund 120 Betten vorhanden, so daß nur wenige zu dritt in zwei Betten schlafen mußten, wie ein ehemaliger Häftling berichtet.
  Die Bewachung dieses Lagers hatte die »grüne Polizei« übernommen, nicht die SS-Truppe selber. Aber auch in dieser Situation kam es zu Mißhandlungen von Häftlingen.
  Trotz aller Schwierigkeiten gelang es den Häftlingen, eine illegale Lagerorganisation zu bilden, Kontakte nach außerhalb des Lagers zu entwickeln und diese zur Beschaffung von zusätzlichen Lebensmitteln, Postverkehr mit den Angehörigen etc. zu nutzen. Auch über die tatsächliche militärische und politische Lage hatten die Häftlinge durch das Abhören eingeschmuggelter Radioapparate Kenntnis. Im Lager waren deutsche und ausländische Häftlinge. Insgesamt sieben von ihnen, drei deutschen und vier sowjetischen Häftlingen, gelang 1943 die Flucht, als sie bei Bauarbeiten außerhalb des Lagers eingesetzt waren. Zwei von ihnen wurden jedoch später wieder unter falschem Namen ins KZ Buchenwald eingeliefert. Dort sorgte die illegale Lagerorganisation der Häftlinge, an der auch Kasseler Antifaschisten beteiligt waren, dafür, daß die Flüchtlinge nicht von der SS wiedererkannt wurden. Dies rettete ihnen das Leben.
  Das Kommando Druseltal wurde im Februar/März 1945 aufgelöst und die Häftlinge nach Buchenwald zurückgebracht, wo sie bis zur Selbstbefreiung des Lagers am 11. April 1945 eingekerkert blieben.

Baunsbergstraße / An den Eichen
Die Häftlinge des Außenkommandos Druseltal mußten an mehreren Stellen der Stadt die Bauten für die SS errichten. Dazu gehörten nach dem Bericht eines Häftlings:
1. Zwei Baracken für die Höhere Polizei und SS-Führung
[die heute noch vorhandenen Baracken am Panoramaweg, also oberhalb des Anthoniwegs in Mulang]
2. Die Erfassungsstelle für die Waffen-SS Werra-Fulda
3. Eine Baracke für die Gestapo/SD
4. Eine Baracke für die Ordnungspolizei
5. Eine Baracke für die SS-Maiden
6. Eine Reservebaracke
7. Eine Großgarage
8. Zwei Luftschutzbunker in Form von Stollen, die in die Berge führten (Bericht Richard Thiele)
[Nach Groeneveld ein Stollen bei den Baracken am Panoramaweg und einer in der Nähe des Außenlagers in der Druseltalstraße].
Diese Arbeiten, die auch hier in der Gegend verrichtet wurden, fanden vor den Augen der Kasseler Öffentlichkeit statt.
«

Zitat vom »Bildungsserver Hessen«, http://portal.bildung.hessen.de:
»
05.07.1943 – In Kassel-Druseltal wird für Bauarbeiten an SS-Bunkern ein Außenkommando des KZ Buchenwald mit zunächst 120 zumeist ausländischen Häftlingen eingerichtet. Als weitere Außenstellen von Buchenwald firmieren die im Sommer 1944 bei den Sprengstoffwerken in Allendorf und Hessisch-Lichtenau-Fürstenhagen eingerichteten Kommandos mit je 1.000 meist ungarischen Jüdinnen aus Auschwitz.«

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Friedrich Forssman
Schloßteichstraße 3
34131 Kassel
Telefax 0561.3105780
mail@kassel-mulang.de

Dank an
Dr.Helmuth Greger
Stadtmuseum Kassel
Herrn Bernd Sieber


Nachweise
*1 Familienarchiv Greger
*2 Sammlung Rolf Lang, Niestetal
*3 Ortsbeirat Brasselsberg (Hg.): Brasselsberg – Geschichte und Anekdoten, Kassel o.J. (ca.1990)
*4 Stadtmuseum Kassel
*5 Sammlung Feyll/Forssman
*6 Wolfgang Hermsdorff, Ein Blick zurück, Reproduktion der HNA-Serie, zusammeng. m. Registern und Quellenverz. v. Hiltgunde Thiele, Kassel 1992.
*7 Sammlung Sieber, Kassel
*8 Hans-Christoph Dittscheid: Kassel-Wilhelmshöhe und die Krise des Schloßbaus am Ende des Ancien Régime, Worms 1987.
*9 Gottfried Ganßauge: Die Umgestaltung der Wilhelmshöher Schloßwache, in: Hessische Heimat, 1. Jahrgang 1951, Heft 1, Kassel 1951.
*10 Paul Heidelbach: Die Geschichte der Wilhelmshöhe, Leipzig 1909
*11 UniversitätsBibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel
*12 Alois Holtmeyer: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Kassel 1923
*13 1877–1977 – Dampfbahn, Pferdebahn, elektrische Straßenbahn – Ein Jahrhundert Nahverkehr in Kassel, 3. Auflage, Kassel 1986
*14 Wolfgang Hermsdorff: Kassel 1900 bis heute, 3.Aufl., Kassel 1961
*15 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, Kreisvereinigung Kassel (Hrsg.): kassel ..... anders gesehen! Führer zu den Stätten des Widerstands, der Verfolung und des Krieges (Kasseler Hefte 1), Kassel 1983
*16 W. Döring: Beschreibung des Kurfürstlichen Landsitzes Wilhelmshöhe bey Kassel. Mit Kurfürstlich Hessischem gnädigsten Privilegio, Cassel 1804
*17 Archiv Yannick Philipp Schwarz, Kassel
*
18 Sammlung K.-P. Wieddekind
*19 Sammlung Dieter Rüsseler
*20 Sammlung H.-W. Hess
*21 Motivschmiede, Kassel (www.Motivschmiede.de)