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Friedrich Forssman
Schloßteichstraße 3
34131 Kassel
mail@kassel-mulang.de

Dank und Nachweise
am Fuß der Seite.

Töchterheime

Der Reichtum, der in der Generation der Mulang-Erstbesitzer notwendigerweise noch vorhanden war, verflüchtigte sich oftmals rasch; Bewohner in zweiter Generation oder Witwen verdienten sich ihren Unterhalt (und denjenigen der in jeder Hinsicht teuren Häuser) oft durch Zimmervermietung – oder Betrieb von Töchterheimen. (Siehe die »Liste der Hotels, Sanatorien, Töchterheime und Restaurants« im Kapitel »Villenkolonie«.)

Der Bedarf war groß: Bessergestellte Leute hatten Kindermädchen. Wenn die Kinder größer wurden, gingen die Jungen auf höhere Schulen. Mädchen schickte man in Pensionate, wo sie nützliche Dinge lernen, unter ihresgleichen Schliff erhalten und Kontakte knüpfen, oft aber auch den Eltern aus dem Weg sein sollten. Je nach Ausrichtung des Töchterheims wurde durchaus auch höhere Bildung vermittelt. – Die Fotoalben und die Texte auf den Postkarten vermitteln viel Freude am gemeinsamen Lernen und an der Freizeit mit neuen Freundinnen.

Noch 1969 schrieb die »Zeit«: »Ein vernünftiges ›Töchterheim‹ ist alles andere als eine Luxusherberge für sich langweilende Teenager. Es ist eine Schule fürs Leben, wie andere Schulen auch.« (Ganzer Text: hier klicken.)

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Während der Durchsicht dieser Seite können Sie dem Trio James Kok lauschen: hier klicken für einen YouTube-Link auf einen Foxtrot von 1934: »Sehn Sie, was da kommt: Das Töchterpensionat ...«.

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Töchterheim »Landhaus« von Helene Rocholl: ganz unten auf dieser Seite; bitte hier klicken.

Töchterheime der Villenkolonie Mulang (und Umgebung):


Wigandstraße 6, 1930 (Poststempel) »Privat-Lehranstalt u. Töchterheim Bergér«. Nicht erhalten.*MA


Burgfeldstraße 2, 1912: »Töchterheim Rompf«. Erhalten.*MA



Burgfeldstraße 3, um 1910 das »Töchterheim Haus Freya, gegründet von Frau Bankdirektor Murawski«. Teilerhalten.*MA


Schloßteichstraße 5, 1931. »Viktoriaheim, staatl. anerkannte Haushaltungsschule«. Erhalten.*MA


Lindenstraße 13 (Bildmitte), »Töchterheim des Ev. Diaconievereins«, um 1905. Erhalten.*MA


Löwenburgstraße 10, 1913. Erhalten.*MA


Steinhöferstraße 14 als »Töchterpensionat Dietz«, 1910. Nicht erhalten.*MA


»Pensionat Bergér. Cassel-Wilhelmshöhe. Landgraf-Carlstr. 23.«*MA – Siehe das entsprechende Unterkapitel im Kapitel »Stadtteil Wilhelmshöhe«.

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Zur Geschichte der Mathilde-Zimmer-Stiftung: Friedrich Zimmer, evangelischer Theologe und Pädagoge, 1855–1919, war seit 1884 Professor in Königsberg. Er leitete von 1890–1898 das Predigerseminar in Herborn und von 1898–1906 den Evangelischen Diakonieverein in Zehlendorf. 1894 gründete er den Evangelischen Diakonieverein in Eberfeld, das erste Diakonieseminar in Kassel und das erste Evangelische Töchterheim, und 1906 den Evangelischen Frauendienst. In Zehlendorf baute er ein Heim mit Frauenoberschule, Kindergärtnerinnen-Seminar und Fürsorgeanstalt auf, aus dem 1907 die heute noch existierende »Mathilde-Zimmer-Stiftung e.V.« hervorging.

Töchterheime der Mathilde-Zimmer-Stiftung in Kassel:


Steinhöferstraße 8, »Töchterheim Mathildenhaus« ca.1905.*MA


Ein kurzer Beitrag über das Mathildenhaus aus »Zimmersche Töchterheime [...]«, Berlin, 1912; siehe Literaturliste in der rechten Spalte.*MA


Elisabethen-Haus. Postkarte von ca.1915.*MA – »1. Turmzimmer / 2. Löwenburg / 3. Rembrandtzimmer / 4. Frl. Helenes Z. / 5. Pommenburg(?) / 6. Richterz. / 7. Beethovenz. / 8. großes Lesez. / 9 mit Balkon = kl. Lesez. / 10 = Spitzwegz.
[verso:] Mein Zimmer kann man nicht sehen, es liegt nach hinten hinaus. Ist es nicht prachtvoll hier? Ja, schön! In den anderen Zimmern weiß ich gar keinen Bescheid.«


Ca.1960: Das Elisabethenaus. Bild aus dem Prospekt »Lebensnah – Lebenswahr. Ausbildung und Ausbildunsgziele in den Heimfrauenschulen der Mathilde-Zimmer-Stiftung e.V.«. Hier klicken für ein PDF des 20seitigen Prospektes.*MA


Luisenhaus I, gestempelt 1911. Viele weitere Bilder aus dem Elisabethen- und dem Luisenhaus: Siehe Kurort Wilhelmshöhe, »Kurhotel / Luisenhaus«.*MA


Luisenhaus II, gestempelt 1911. Aus der Streichung geht hervor, daß sich das Heim (Mosenthalstraße 14) nicht mehr unter Leitung der Zimmerschen Stiftung befand, aber den Namen behielt.*MA


Luisenhaus II, Andenken-Anhänger von 1905.*MA


Ca.1910: »Zimmersches Töchterheim Katharinenhaus in Cassel, Amalienstraße 3 u. 3 1/2«.*MA


Ca.1910:
»Mathilde-Zimmer-Stiftung. Töchterheim Johannahaus. Kassel, Humboldtstraße.«*MA

Katharinenhaus in Kirchditmold:


»Mathilde Zimmer Stiftung Katharinenhaus Kassel-Kirchditmold, Lindenberg«, um 1940.*MA



Zwei Karten von ca.1928: »Töchterheim Katharinenhaus (M. Zimmerstiftung). Kassel. K. Lindenbergstraße 71« (heutige Adresse: Schanzenstraße 71). Das Haus wurde von 1919 bis 1927 wohl von Helene Rocholl unter dem Namen »Deutsches Töchterheim am Habichtswalde« geführt.*MA – (Von 1919 bis 1927 war Henny Rocholl [nicht identisch mit Helene Rocholl; Dank an Tamara Block, Archiv der deutschen Frauenbewegung, für den Hinwies] Leiterin dieses Hauses, das damals »Töchterheim am Habichtswalde« hieß und noch nicht zur Mathilde-Zimmer-Stiftung gehörte. Im Mulang-Archiv befindet sich Heft 2, Oktober 1919, der Hauszeitschrift »Heimchengrüße aus dem Deutschen Töchterheim am Habichtswalde«. Hier klicken für ein PDF [9MB].)

Des weiteren führte die Mathilde-Zimmeer-Stiftung in der Humboldtstraße am Kasseler Weinberg das »Johannahaus«.

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Wahlershausen: »Töchterheim ›Haus Harre‹. Bremelbachstraße 14.«, um 1920. Erhalten.*MA – Siehe das entsprechende Unterkapitel im Kapitel »Stadtteil Wilhelmshöhe«.


Brasselsberg:
»Hauswirtschaftliche Frauenschule des Ev. Diakonievereins. Töchterheim am Brasselsberg« im ehemaligen Wiederholdsches Gutshaus. Erhalten. Siehe das entsprechende Unterkapitel im Kapitel »Stadtteil Wilhelmshöhe«.*MA

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Vier Postkarten mit identischem Rückseitenaufdruck »Cassel, Wilhelmshöhe, den ....«, und also wohl aus ein und demselben Töchterheim. Aus welchem wohl, wer kann helfen?.*MA






Blick in die Lehrküche eines Töchterheims, Foto aus dem Privatalbum einer Schülerin.*MA

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Im Mulangarchiv vorhanden:

• »Töchterheim Bergér / Kassel-Wilhelmshöhe / Gegründet 1903« Landgraf-Karl-Straße 23 [überklebt mit:] Wigandstraße 6. 16seitige Broschüre, ca.1920.
• »Töchterheim Haus ›Freya‹ / Gegründet 1904 / Frau Bankdirektor Murawski / Kassel-Wilhelmshöhe, Burgfeldstraße 3«. 4seitige Broschüre, ca.1905.

• »Töchterheim Haus Harre / Genehmigte Haushaltungsschule / in Kassel-Wilhelmshöhe, Bremelbachstraße 14, 16seitiger bebilderter Prospekt, ca.1920.
• »Töchterheim Haus Harre / zur Fortbildung junger Mädchen / in Cassel-Wilhelmshöhe«. 4seitige Broschüre, ca.1910.
• »Haus Rheinland. Töchter-Pension I. Ranges auf Wilhelmshöhe bei Cassel, Bergstraße 15. Inhaberin: Frau Elisabeth Weiß«, 16seitige Broschüre, ca.1920. Siehe Ansichtkarte und längeren Text unten in dieser Kolumne.
• • Haus Rheinland, sehr schönes Privatalbum einer Schülerin mit über 100 Fotos, um 1930.

— »Viktoria-Heim, Kassel-Wilhelmshöhe / Schloßteichstraße 5«, 4seitiges Prospektblatt, ca.1930.
• • Viktoria-Heim, Kassel-Wilhelmshöhe: Privatalbum einer Schülerin mit ca. 80 Fotos und Postkarten.
• Im Mulang-Archiv befinden sich aus einem Fotoalbum einer Schülerin eines noch nicht identifizierten Kasseler Töchterheims 16 Seiten mit ca. 70 Fotos aus dem Jahre 1926. Siehe das Teilkapitel »Waldschule« im Kapitel »Park Wilhelmshöhe«. Bei Interesse scanne ich die Seiten und lade sie auf dieser Seite hoch.
• »Zimmersche Töchterheime / Erziehungs- und Bildungsanstalten für junge Mädchen mit höherer Mädchenschulbildung, unterhalten von der Mathilde-Zimmer-Stiftung unter Oberleitung des Begründers Professor D. Dr. Zimmer, Berlin Zehlendorf.« 88seitige Broschur, Berlin 1912. An Kasseler Häusern ist näher beschrieben: Elisabethenhaus (Rammelsberg), Katharinenhaus (Amalienstraße 3), Luisenhaus I (mit Nebenhaus »Haus Paretz« (Druseltalstraße; Fotoalbum: siehe letzten Eintrag dieser Liste), Luisenhaus II (Mosentalstraße 14).
• • Wie vor, Ausgabe 1915. In Kassel: Mathildenhaus (vormals »Luisenhaus II«), Elisabethenhaus, Luisenhaus I. 66 Seiten.
• • Wie vor, Ausgabe 1917. In Kassel: Elisabethenhaus, Katharinenhaus, Luisenhaus I. 80 Seiten. Beiliegend Vordrucke für Gesundheitszeugnis und Anmeldung.
• • »Abi-Sommersemester 25. April – 12. September 1935 in der Hausfrauenschule der Mathilde-Zimmer-Stiftung Kassel-Wilhelmshöhe ›Haus Paretz‹«, Privatalbum einer Schülerin mit ca. 80 Fotos (siehe unten auf dieser Seite).
• • »Die Heimfrauenschulen der Mathilde-Zimmer-Stiftung, e.v. / Ein Führer / Auf Grund der Schrift von Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer † / neu bearbeitet von Dr. Wilhelm Stölten / Leiter der Mathilder-Zimmer-Stiftung«. Berlin-Zehlendorf, (8)1933. In Kassel: Elisabethenhaus, Katharinenhaus, Luisenhaus.
• • Wie vor, (9)1936.
• • Wie vor, (10)1937.
Wie vor, (11)1940.
• • »Selbsterziehung. Zur Erinnerung an die frohe Zeit im Töchterheim mit herzlichem Segenswunsch beim Abschied überreicht vom Kurator der Mathilde Zimmer-Stiftung D. Friedrich Zimmer«, 48seitige Broschüre, Sonderabdruck der im Verlage des Mathilde Zimmer-Hauses in Berlin-Zehlendorf erschienenen Schrift; 1.Seite zum Ausfüllen vorgedruckt; Exemplar ausgefüllt am »7. Sept. 1918« für Frl. »Käthe Reerink«, Mitglied des Zimmerschen Töchterheims »Elisabethenhaus«; unterschrieben von Friedrich Zimmer, allen Lehrerinnen und Lehrern sowie sämtlichen »Mitheimchen«.
• »Bilder aus dem Ev. Diakonieverein e.V. Berlin-Zehlendorf«, o.J. (ca.1920). Darin an Kasseler Häusern: Kassel-Wilhelmshöhe, Margarethenhaus, Erholungshaus (Lindenstraße 11/13) / Kassel-Wilhelmshöhe, Töchterheim am Brasselsberg (Wiederholdsches Gutshaus) / Ev. Fröbelseminar, Kindertagesheim.
• »Lebensnah – Lebenswahr. Ausbildung und Ausbildungsziele in den Heimfrauenschulen der Mathilde-Zimmer-Stiftung e.V.« 20seitiger Prospekt, 21×19,5cm, ca.1960. Beschriebene Häuser: Luisenhaus in Kassel-Wilhelmshöhe; Schloß Callenberg bei Coburg (für dieses Haus liegt ein 6seitiger Extra-Prospekt vor); Gertrud-Zimmer-Haus in Bad Oeynhausen; Elisabethenhaus in Kassel-Wilhelmshöhe. Hier klicken für ein PDF des 20seitigen Prospektes.

• »Das Holzhäuschen. Herausgegeben von Frau E. Holzhausen, Töchterheim Holzhausen/Goslar a. Harz«, 1. Jahrgang, Heft 5, Mai 1920. 20seitige schlichte, kleinformatige Hauszeitschrift.
• »Haus Gudrun«. Töchterheim. Vorsteherin: Frl. Paula Schultze, Wernigerode a. Harz, Huberstraße 1. 12 Seiten Text, 10 Seiten Abbildungen.

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Aus dem Prospekt des Hauses »Freya«
:

In unserem Töchterheim finden junge Mädchen aus guter Familie liebevolle Aufnahme. Wir haben es uns zur Aufgabe gestellt, die Geistes- und Herzensbildung der uns anvertrauten Töchter zu fördern und ihnen die für ihr Alter notwendige Selbständigkeit in Familie, Gesellschaft und praktischem Leben zu geben.
  Die jungen Mädchen erhalten unter persönlicher Leitung der Hausfrau eine wirklich gründliche Ausbildung in allen Zweigen des Haushalts, besonders in der feinen Küche, Backen, Einmachen und Garnieren; durch Lehrkräfte: in kunstgewerbl. Handarbeiten, Schneidern, Musik und Rhythmik.
  Am wissenschaftlichen Unterricht können sich die Töchter nach Wunsch beteiligen; er wird in Literatur, Kunstgeschichte, Himmels- und Bürgerkunde, sowie in Anstandslehre erteilt.
  Auf Aneignung guter Umgangsformen wird sorgfältigst geachtet.
  Neben ernster Arbeit sollen Heiterkeit und Frohsinn herrschen. Die jungen Mädchen werden an treue Erfüllung häuslicher Pflichten, sowie an Sparksamkeit und Ordnung gewöhnt. Mit mütterlicher Sorgfalt wird ihre Gesundheit überwacht. Die Verpflegung ist sehr gut und reichlich.
  Das Familienleben ist herzlich und heiter und verbindet uns eng mit den uns anvertrauten Töchtern. Durch Besuch von Theatern, Konzerten, Museen und Galerien wird ihnen viel Abwechslung geboten. Auch finden kleine Hausbälle statt, die ihnen Gelegenheit geben sollen, sich ein sicheres und gewandtes Auftreten in der Gesellschaft anzueignen.
  Besondere Aufmerksamkeit wird dem – Geist und Körper so wohltuenden – Wintersport gewidmet. Bietet doch unser idyllisch gelegenes Wilhelmshöhe durch seine landschaftlich liebliche Lage eine günstige Gelegenheit zum Eislauf, Rodeln, Skilauf und Schlittenfahren.


Postkarte, 1915: Wilhelmshöhe. Rodelbahn im Park.*MA


Um 1905: Eislauf auf dem Lac; Zelt der Firma Henkel.*1

  Kassel ist eine der schönstgelegenen und gesundesten Städte Deutschlands. Sein Schloß Wilhelmshöhe mit den unvergleichlich bezaubernden, ausgedehnten Parkanlagen genießt Weltruf. Unser Heim liegt unmittelbar an diesem Park, nur etwa 5 Minuten vom Schloß entfernt, und hat große, helle und behagliche Räume.
  Erstklassige Refernzen stehen auf Wunsch zur Verfügung.

Frau Bankdirektorin Murawski

Bedingungen. – Der Eintritt der Töchter kann jederzeit, soweit Platz vorhanden ist, erfolgen; der Austritt nach vorheriger vierteljährlicher Kündigung. [...] Der Pensionspreis beträgt monatlich 90,– RM. [...] Für Klavierbenutzung wird vierteljährlich 5,– RM. und für Bedienung 5,– RM. berechnet. Im Winterhalbjahr sind für Beleuchtung und Heizung 5,– RM monatlich zu entrichten. [...] Mitzubringen haben die jungen Mädchen Federbetten mit zweimal Bettwäsche, 6 Handtücher, 6 Servietten mit Ring und Tischsilber. Außerdem polizeiliche Abmeldung. Ferien finden nur im Herbst statt.

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Töchterheim Bergér. 16seitiger Prospekt.*MA

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Lindenstraße 13:»Töchterheim des Ev.Diaconievereins«. Rückseitiger Stempel: »Wirtschafts-Frauenschule mit wissensch. Weiterführung«.*MA

* * *


Prospekt, ca.1910. Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein dreiseitiges PDF, Beilage zum »Heimchen«-Fotoalbum.*MA



Vier Postkarten mit Bilder der Innenräume der »Viktoriaheim Hausfrauenschule«, Schloßteichstraße 5, teils eingeklebt ins Album der Schülerin.*MA

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Steinhöferstraße 14, »Töchterpensionat Dietz«. Vier Postkarten mit Innenaufnahmen und Alltagsleben, ca.1905.*MA

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Luisenhaus I, Druseltalstraße: Ein Album einer Schülerin aus dem Nebenhaus »Paretz«. Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein 5-MB-PDF mit einer Auswahl von 23 Fotos auf 9 Seiten aus dem Jahr 1935. Siehe Kurort Wilhelmshöhe, »Kurhotel / Luisenhaus«.*MA

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Haus Rheinland, 1928 gestempelt.*MA – Rückseitendruck: »Cassel-Wilhelmshöhe, Bergstraße 15«. So hieß damals die Konrad-Adenauer-Straße. – Vom Haus Rheinland gibt es im Mulang-Archiv auch einen Prospekt und ein Privatalbum, siehe die Literaturliste oben.

Dr. Christian Presche schreibt:
»Das ›Haus Rheinland‹ müßte heute das Gebäude Konrad-Adenauer-Straße 17 / Dachsbergstraße 46 sein, wobei das Haus inzwischen auf der nördlichen, vom Garten her rechten Seite erweitert ist. Die Adreßbücher sind dabei wieder einmal sehr hilfreich, allerdings müßten einige Zusammenhänge am besten noch über andere Quellen wie Stadtpläne, Hausstandsregister und Meldekarten überprüft werden.
  Die Haus- und Familiengeschichte samt der Gründung des Töchterheims dürfte dabei die Zeitumstände widerspiegeln: das Ende des Ersten Weltkriegs und den Zusammenbruch des Kaiserreichs, die Bankenkrise mit Inflation und Wirtschaftskrise 1923, schließlich die Weltwirtschaftskrise ab 1929. Für die genaueren familiären Hintergründe reichen die spärlichen Adreßbuchinformationen natürlich nicht aus, aber es sind zumindest einige auffallende Parallelen festzustellen.
  Die heutigen Grundstücke Bergstraße 11-17 sowie Dachsbergstraße 46 bildeten anfangs vermutlich ein großes Grundstück; Nr.11 wurde um 1912/13 vom Kaufmann Georg Weiss (später: Weiß) errichtet, der damals Eigentümer eines 1822 gegründeten Geschäfts für Teppiche, Dekorations- und Möbelstoffe etc. (Wilhelmsstraße 6), war, dabei sogar kaiserlich-königlicher Hoflieferant. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs zog er sich aus dem Geschäft zurück und lebte fortan zunächst als Rentner. Um 1921/22 ließ er neben Bergstraße 11 das heutige Gebäude Nr.17 (damals Nr.15) erbauen, zog dorthin um und verkaufte Nr.11 an den Stoffgroßhändler Paul Franke, mit dessen Familie mindestens geschäftliche Verbindungen bestanden. Nach der Inflationszeit verschwindet das frühere Geschäft von Georg Weiß jedoch aus den Adreßbüchern, und dieser baute um 1924 gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Spindler, ein neues Geschäft auf (Opernstraße 8); 1925 wurde dann statt seiner Frau der Kaufmann Wilhelm Dübber ins Geschäfts- und Handelsregister eingetragen, neben Georg Weiß.
  Ab 1926 betrieb Elisabeth Weiß in Bergstraße 17 das Töchterheim ›Haus Rheinland‹ und wurde etwas später (wohl 1928) auch offizielle Eigentümerin des Hauses, bevor es 1929 an den Studenten Jürg Weiß (einen Sohn?) überging. Im Stadtplan von 1927 ist das Grundstück bereits dreigeteilt, in Nr.11 im Norden, Nr.15 (heute Nr.17) im Süden und ein weiteres, noch unbebautes Grundstück dazwischen.
  1930, während (vielleicht auch wegen?) der Wirtschaftskrise, gab Elisabeth Weiß das Töchterheim wieder auf und die Räume wurden vermietet. Auf dem mittleren Grundstück erbaute die Familie Weiß in dieser Zeit außerdem ein Doppelhaus, das die Nummern 13 und 15 erhielt. Nr.13 wurde ab dem 1.4.1931 vermietet, in Nr.15 sog die Eigentümerfamilie Weiß im selben Jahr selbst ein – und konnte damit sogar die Adresse beibehalten. Das bisherige große Wohnhaus Nr.15 wurde nun geteilt und vollständig vermietet: in nunmehr Nr.17 (was problemlos möglich war, weil es noch keine weiteren Häuser auf dieser Seite gab) im Norden und Dachsbergstraße 46 im Süden. Die Besitzverhältnisse der nunmehr insgesamt vier Haushälften wurden aufgeteilt: Elisabeth Weiß wurde Eigentümerin von Nr.13, Jürg Weiß Eigentümer von Nr.15, Georg Weiß jun. (ein Sohn, ebenfalls in Nr. 15) von Nr.17 und Georg Weiß von Dachsbergstraße 46.
«

(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

Im Mulang-Archiv befindet sich ein Fotoalbum aus dem »Töchterheim Landhaus« von Helene Rocholl.


Helene Rocholl
und Dr. Erwin Rocholl am Fenster ihres »Landhauses«.*MA

Alle vollständigen Namen, die im Fotoalbum vorkommen:
• Elsa Geiger
• Herta Götze (von ihr stammt das Album)
• Anneliese Mauß
• Ilse Schlenkhoff
• Ulla Schuster
• Trude Sonntag
• Frl. Else Tetzner (Leiterin)
• Grete Werner

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26.5.2020: Die HNA hat bei der Suche nach dem einstigen Ort des Hauses geholfen; hier klicken. – Die Auflösung (Wiegandsbreite 9, Marbachshöhe) folgte drei Tage später: Hier klicken. (Oder hier.)

3.4.2021: Die HNA berichtet: »Vor wenigen Tagen ist in Großbritannien das britische Drama ›Six Minutes to Midnight‹ in die Kinos gekommen (hier klicken für einen Wikipedia-Beitrag zum Film). In diesem spielt Judi Dench die aus Kassel stammende Leiterin eines Mädcheninternates Helene Rocholl.« – Hier klicken für den Beitrag.

19.4.2021: Die HNA berichtet weiter über Helene Rocholl. Unter dem Titel »Neuer Kinofilm über Kasselerin: War Helene Rocholl Nazi?« wird diese Frage erörtert und berichtet, daß Tamara Block vom Archiv der deutschen Frauenbewegung weiter zu Helene Rocholl recherchieren wird. Hier klicken für den Beitrag.

Helene Rocholl


Helene Rocholl
(Mitte) im Kreis von Schülerinnen des »Töchterheims Landhaus«. Foto aus dem Privat-Album der Schülerin Herta Götze. Siehe die Hinweise am Ende der linken Spalte.*MA


Auf das Bild (oder hier) klicken für ein 16seitiges PDF (8 MB) des Albums der »Landhaus«-Schülerin Herta Götze. Die Sütterlin-Bildbeschriftungen wurden transkribiert und hier und da ergänzt.*MA

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Recherche zu Helene Rocholl von Bastian Ludwig (HNA):

  • Geb. am 19. September 1888 in Ober Emmelsum, heute Ortsteil von Voerde (Niederrhein), als Tochter des Gutsbesitzers Bernhard Benninghoff und dessen Frau Helene, geb. Beyer, später verheiratete Nagel in Stuttgart; Schwester des Marburger Anatomie-Professors Alfred Benninghoff.
  • Ausbildung zur Hauhaltungslehrerin, Inhaberin einer Haushaltungsschule.
  • Erste Ehe 25. Oktober 1919 mit dem Gutsbesitzer Erich Freiherr von Korff (1869-), bald geschieden. Pia von Korff, ihre Assistentin in Bexhill, war vermutlich eine Verwandte ihres ersten Mannes.
  • Zweite Ehe am 28. März 1923 (auf en.rocholl.org Zahlendreher »1932«) mit Dr. Erwin Rocholl (1896–1951), Rechtsanwalt und Notar in Kassel, Onkel von Horst Rocholl; die Ehe wurde 1950 geschieden.
  • Leiterin von Töchterheimen in Kassel:
    • Vorsteherin des Töchterheims Bergér in der Landgraf-Karl-Straße 23;
    • 1923–1926 Leiterin des Töchterheims Landhaus, Wiegandsbreite 9;
    • 1926–1930 in der Burgfeldstraße 13 mit Pensionsleiterin Else Tetzner neues Töchterheim »Tücking«, das aber offenbar auch nur bis 1930 Bestand hatte.
  • Ab 1932 Aufbau eines Pensionats in Bexhill on Sea, ab 1935 im eigenen Haus als »Augusta Victoria College«. Zu den Schülerinnen zählten Bettina von Ribbentrop, Herzeleide Prinzessin von Preußen (1918–1989) und Reinhild Gräfin von Hardenberg, die darüber in ihrer Autobiographie berichtet.

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Recherche von Dr. Christian Presche (für die HNA):
  • 1915 erster Nachweis in Kassel, als sie in das (bereits seit 1903 bestehende) Töchterheim Bergér, Landgraf-Karl-Straße 23, als weitere Vorsteherin neben Emilie Bergér eintrat. 
  • 1919: nach ihrer ersten Heirat 1919 führte sie den Doppelnamen v. Korff-Benninghoff; zuvor hatte sie offenbar schon das Haus Schloßteichstraße 13 erworben, in dem sie nun eine eigene Zweigstelle des Pensionats Bergér betrieb. 
  • Um 1922 (Erstbezug?) ließ sie anscheinend das Haus Nordshäuser Pfad 9 bauen, das später die Adresse Wiegandsbreite 9 erhielt – sie ist demnach die Bauherrin!
  • 1923 wurde (mit ihrer zweiten Heirat? – jedenfalls im selben Jahr oder 1924) die Zweigstelle des Töchterheims Bergér im Haus Schloßteichstraße 13 aufgegeben, das Gebäude Schloßteichstraße an die Firma Appel und Pfannschmidt verkauft, als Villa für die beiden Direktoren. Mit Dr. Erwin Rocholl bewohnte sie das Haus Nordshäuser Pfad 9 (Wiegandsbreite 9). 
  • Bald eröffnete sie im Wohnhaus auch das Töchterheim Landhaus (nun unter der neuen Anschrift Wiegandsbreite 9) mit der Leiterin Else Tetzner. 
  • 1925 kaufte Erwin Rocholl das Haus Baunsbergstraße 44 und zog dorthin um. Helene Rocholl blieb anscheinend zunächst noch im Haus Wiegandsbreite 9; zugleich wurde aber das Haus Burgfeldstraße 13 erworben und das Töchterheim dorthin verlegt. 
  • Spätestens zum Jahreswechsel 1925/26 war der Umzug abgeschlossen, das Haus Wiegandsbreite 9 wurde in der Folge verkauft (1926); im Töchterheim Burgfeldstraße 13 (Haus Tücking) sind nun auch Else Tetzner als Leiterin, und 1926/27 war auch eine Lyzeal-Lehrerin, Johann Specht, dort tätig (und wohnhaft). 
  • Beide (Tetzner und Specht) werden aber schon im nächsten Adressbuch (für 1928) nicht mehr genannt, scheinen das Töchterheim also noch 1927 verlassen zu haben. 
  • 1929 (in der Wirtschaftskrise – deswegen?) wurde schließlich das Töchterheim aufgegeben, das Haus Burgfeldstraße 13 verkauft. Dass Helene Rocholl im Haus ihres Mannes, Baunsbergstraße 44, nun gesondert aufgeführt ist, ist durchaus auffällig, weil es eigentlich auf einen eigenen Haushalt hindeutet; die Telephonnummer ist wiederum dieselbe, aber die Zahl der Anschlüsse war auch noch gering.
  • 1930 zog das Töchterheim Bergér in das Haus Wigandstraße 6, das nur angemietet war; das Haus Landgraf-Karl-Straße 23 wurde von Emilie Bergér an das Hessische Diakonissenhaus verkauft, das dorthin sein Haushaltungs-Pensionat verlagerte (zuvor im Haus Kaiserstraße 7, »Amalienhaus«).
  • 1931 wurde auch das Töchterheim Bergér aufgegeben, und Emilie Bergér erscheint nicht mehr in den Adressbüchern. 
  • 1932 verließ Helene Rocholl Kassel; 
  • 1939 kehrte sie nach Kassel zurück, in das Haus ihres Mannes (wieder gesondert aufgeführt), nun allerdings Baunsbergstraße 44a (ein inzwischen errichteter Neubau). Gleichzeitig mit ihr kam auch Emilie Bergér zurück und wohnte nun im selben Haus. 
  • 1949 ist Helene Rocholl als Geschäftsführerin bezeichnet (wovon ist unklar). Emilie Bergér wohnte nun bei (vermutl.) einem Sohn in der Bergstraße (Konrad-Adenauer-Straße), dafür ist im Haus Baunsbergstraße 44a nun außerdem Pia v. Korff verzeichnet.
(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)

Dank an
Bastian Ludwig
Dr. Christian Presche

Nachweise
*MA Mulang-Archiv: Friedrich Forssman und Cornelia Feyll
*1 Stadtmuseum Kassel