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Kur
und Bad
Zur Einführung
Reichel / Dr.Wiederhold / Dr.Rohrbach
Dr.Goßmann
Eine Kur im Sanatorium Goßmann
Dr.Greveler / Bahn-Kurheim / Habichtswald-Klinik
Dr.Greger
Dr.Rohr
Palmenbad
Kur- und Badehaus, Kurhausstr.15
Freibad Wilhelmshöhe
Burgfeld-Krankenhaus
Elena-Klinik
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Aus einem »Führer durch Cassel und Wilhelmshöhe«
von 1897.*5

Ein in vielen Variationen häufig verteilter Prospekt von ca.
1935, der aufgefaltet ein Panorama des Kurgebietes zeigt: Villen-Kolonie,
Park und Peripherie. Das Panorama findet sich am Anfang des Kapitels
»Villen-Kolonie«. Ein auswechselbarer Transparent-Aufleger
gab Auskunft über Hotels, Gaststätten und Kur-Einrichtungen.*5 |
Einführung
Durch die Industrialisierung zogen die Städte seit den ersten
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Landbevölkerung an, Enge
und Wohnungsnot waren die Folge. Die etwas bessergestellten Bürger
hatten daraufhin nicht nur der Wunsch, den zunehmend staubigen
und rußigen Städten möglichst oft zu entfliehen,
das explosionsartig wachsende Eisenbahnnetz machte Reisen auch
erstmals halbwegs bequem und erschwinglich. Die »Reparationen«,
die Deutschland dem im 1870/71er-Krieg überfallenen Frankreich
nach dem Sieg aufzwang, sorgten für nie gekannten Wohlstand,
der auch die daher so genannte »Gründerzeit«
möglich machte. Dies machte man sich vielerorts zunutze und erweiterte
vorhandenen Kurbetrieb bzw. gründete ihn neu.
Wilhelmshöhe war für seine gute Luft bekannt
der Leib- und Kurarzt Bismarcks, Prof. Dr. Ernst Schweninger,
soll den von der Tourismus-Werbung seit dem späten 19. Jahrhundert
bis heute ständig zitierten Satz geprägt haben: »In
Wilhelmshöhe ist jeder Atemzug einen Taler wert!«.
Siehe die Aktion »Wilhelmshöher Atemzug« -
hier klicken. Und hier
ein Link zu biographischen Daten Schweningers. - Die Nähe zur
kaiserlichen Sommerresidenz und die Villenkolonie Mulang sorgten für
glamourösen Hintergrund, und so waren die Kur- und Natur-Heilanstalten
sowie die Privat-Krankenhäuser in Wilhelmshöhe sehr erfolgreich.
Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, den Deutschland
bekanntlich verloren hatte und nun seinerseits unter Reparationen
und Inflation ächzte, machten vielen dieser Einrichtungen
das Überleben schwer. Klinikschließungen oder Verkauf an
Institutionen fanden statt. In den 30er Jahren wurden die Anstrengungen
erneuert und das Prädikat »Bad Wilhelmshöhe«
errungen. Die Säulen, auf denen der Badebetrieb ruhte, waren:
die Heilanstalt von Dr. Rohrbach, das neue Kurhaus (Kurhausstraße
15), das frühere Goßmannsche Sanatorium (Druseltalstraße),
das neuerrichtete Freibad an der Kurhausstraße und natürlich
der Bergpark, in dem Kneipp-Wassertretstellen errichtet wurden. Mit
dem Zweiten Weltkrieg kam der Badebetrieb zum Erliegen, das
»Bad«-Prädikat wurde aber schon um 1950 wiedererlangt.
Um 1970 wurde der florierende Badebetrieb durch
politischen Beschluß eingestellt (warum eigentlich genau? Wer
weiß Näheres?), und beide historisch wertvollen Kurhäuser
abgerissen, auch das nach dem Krieg aufwendig sanierte prachtvolle
Goßmann-Haus an der Druseltalstraße. Das Kur-Prädikat
»ruhte«.
Seit den 80er Jahren wurden erneute Anstrengungen
unternommen, die um das Jahr 2000 mit der erneuten Wiederverleihung
des »Bad«-Prädikates belohnt wurden. Seitens der
Stadt Kassel wird aber zu wenig getan, die privaten Kur-, Bad-
und sogenannten »Wellness«-Angebote zu unterstützen.
Es mag nicht die Zeit sein, in der Badeorte florieren, aber worin
der Sinn liegen soll, sich um das Prädikat zu bemühen, aber
nach Verleihung nichts dergleichen zu tun, will nicht einleuchten.
Die Gefahr einer erneuten Aberkennung des Bad-Prädikats
ist nicht von der Hand zu weisen. |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Kurheim Reichel (rechts, das »alte Haus«) mit
ehemaliger Villa Dr. Schmidt (links, das »Schweizer Haus«)
von Osten, Holzstich von ca. 1870; die beiden Gebäude
wurden enger zusammenstehend dargestellt als sie in Wirklichkeit waren.*5

Ca.1875: Der »Gasthof Schweizerhaus«, erbaut als
Kurheim von Dr. Schmidt ca. 1867.*10
Weitere Bilder: »Villenkolonie« / »Anthoniweg«.

Kuranstalt Wiederhold von Süden: das »alte Haus«,
ca. 1878.*2

Ca.1880: Diese Aufnahme von Nordosten zeigt den damals noch
offenen Blick auf Kassel.*10

Souvenir-Leporello, ca. 1890, links das »Schweizer Haus«,
unten das »alte Haus«.*5

Anzeige Prospekt von 1899.*9
Der Text steht mit geringen Kürzungen rechts. Alle abgebildeten
Häuser gehörten zur Wiederholdschen und später zur
Rohrbachschen Anstalt. Die vier Häuser links standen am heutigen
Anthoniweg, zwei haben überlebt (siehe »Villenkolonie«).

Ca.1890: Blick aus dem Park Wilhelmshöhe auf das »alte
Haus«.*6

Ca.1890: Im Park der Wiederholdschen Kur-Anstalt, dem Areal
zwischen Anthoniweg, Mulangstraße und Hugo-Preuß-Straße.*6

1892: Erweiterung um den Bau links, das »neue Haus«.
1920 wechselt der Besitzer, fortan ist es das »Kurhaus Dr.Rohrbach«.
Ansicht von Nordwesten, über die Mulangstraße hinweg.*2

Ca. 1925: Das »alte Haus« von der Gartenseite.*9

Das teilzerstörte »Schweizer Haus«, das allererste
Haus auf dem Gebiet der heutigen Villenkolonie, wohl nach dem Krieg
vor dem Abriß aufgenommen.*9

Ansicht von Norden, ca. 1910.*5

1915: Der obere Teil der Mulangstraße, links oben das Kurhaus
Dr. Rohrbach.*5

1939 beschriebene Postkarte, Foto wohl von ca. 1925.*5

Ca.1960: Postkarte der »Privatkrankenanstalt Dr. Rohrbach«.
Aus der gleichen Perspektive wie das obere Bild aufgenommener Blick
auf das wiederaufgebaute »neue Haus«. Das »alte
Haus« ist verschwunden.*5

Eine weitere Postkarte aus der gleichen Zeit.*5

Dr. Wilhelm Rohrbach im Kreise seiner Schüler im Untergeschoß
des wiederaufgebauten Hauses, 1949.*9

Lehrbuch von Dr. Wilhelm Rohrbach,
Lübeck 1949.*5

Dr. Wilhelm Rohrbach,
ca.1955.*9 |
Kurheim Reichel /
Dr. Schmidt (18741877)
Kuranstalt Dr. Wiederhold (18771920)
Kurklinik Dr. Rohrbach (19201965)
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden allmählich
die landwirtschaftlichen Flächen auf dem Hang südlich
des Parkdorfes Mulang erschlossen, auf denen heute die Villenkolonie
steht: Das »Burgfeld«, der »Wüste Hang«
und »am Stein«.
Der ehemalige Leibarzt des Kurfürsten, Hofrat
Dr. Justus Schmidt, ließ am oberen, also westlichen Ende
dieser Fluren nach der Annektion des Kurfürstentums Hessen
durch die Preußen 1866 eine Villa im damals so genannten Schweizer
Stil erbauen, die entweder von Anfang an auch der Gastlichkeit diente
oder schon nach kurzer Zeit zum Gasthaus und Kurheim umgewidmet
wurde. Heute läge sie im Anthoniweg nahe der Ecke Mulangstraße.
1874 entstand in unmittelbarer Nähe zusätzlich ein größerer
Bau: Das »Kurheim Reichel« von Frau Minna Reichel.
Ein Prospekt des Kurheims Reichel sagt:
»Die Villa
Reichel, welche im Jahre 1874 neu erbaut wurde, liegt 1000 Fuß
über dem Meere. Die ozonreiche Waldluft [das
immerhin ist sie auch heute noch]
übt auf Gesunde und Kranke einen überaus festigenden Einfluß.
Die Zimmer der Südseite gewähren eine weite Fernsicht
auf den Rand des Habichtswaldes, das Fuldthal mit dem dahinter liegenden
Söhrewalde sowie auf die sehr lebhafte Bahnlinie und das eine
Stunde entfernte Cassel. Die Nordseite bietet eine nicht minder
malerische Aussicht nach dem Park sammt Schloß, Löwenburg
und Octogon. Die innere Einrichtung der Villa entspricht allen Anforderungen
der Neuzeit. Vierundzwanzig Zimmer, 3,20 m hoch, 3,60 m bis 5,50
m lang und breit, sämmtlich neu möblirt, stehen zur Verfügung.
Der größte Theil derselben ist heizbar und mit Balkon
versehen, daneben bietet eine große Veranda mit prachtvoller
Aussicht angenehme Sitzplätze, so daß man selbst bei
Regenwetter die balsamische Waldluft mit vollen Zügen einathmen
kann. Der Mietpreis für ein Zimmer beträgt je nach Lage
und Einrichtung 12 bis 27 M. wöchentlich. Zu jedem Zimmer wird
ein Bett gestellt, jedes Extrabett kostet pro Woche 3 M. Für
Aufwartung und Reinigung wird pro Zimmer wöchentlich 1 1/2
M. berechnet.
Wenige
Schritte von der Villa Reichel liegt das rühmlich bekannte
Erholungshaus des Hofrath Dr. med. [Justus]
Schmidt. Hier finden die Bewohner der Villa eine gute Verpflegung.
Für Frühstück, Mittagsmahl und Abendbrod, welche
gemeinschaftlich im Speisesaal des Erholungshauses eingenommen werden,
sind à Person täglich 3 M., für Kinder unter 10
Jahren 2 M. zu zahlen. Die Verpflegung von Dienstpersonal wird für
den Tag mit 1 M. 75 Pf. berechnet. Wer das Frühstück
sich selbst bereiten will Gebäck wird täglich frisch
ins Haus gebracht und auch an das gemeinsame Abendbrod nicht
gebunden sein möchte, kann den Mittagstisch zum Preise von
1 M. 75 Pf. auch allein bekommen. Ein vortreffliches Glas Kasseler
Actienbier vom Faß ist ganz in der Nähe zu finden [wohl
im »Pensionshaus Wilhelmshöhe« in der Wigandstraße
oder im Schloßhotel];
ebenso sind bayerische und andere Flaschenbiere nach Wunsch zu beziehen
[...].
Minna
Reichel
Mönchebergstraße«*9
Dr. Moritz Wiederhold (18491906), der als Kurarzt in
der 1840 gegründeten Kaltwasserheilanstalt Kassel-Wolfsanger
tätig gewesen war, verließ diese Anstalt, als ihm finanzielle
Beteiligung verwehrt wurde (aus dem gleichen Grund verließ
auch später Dr. Greveler diese Anstalt in »Bad Wolfsanger«).
Wiederhold kaufte 1877 die Häuser von Dr. Schmidt, das Kurheim
Reichel und das große angrenzende große Parkgrundstück.
Von da an hieß die Gebäudegruppe »Dr. Wiederholds
Sanatorium und Kuranstalt«.
Aus einer Anzeige von 1899: »Die
Anstalt mit ihren Anlagen bildet die oberste Spitze der in kräftigem
Aufblühen begriffenen Villenkolonie und ist die erste und älteste
Schöpfung, durch welche die großen hygienisch-klimatischen
Vorzüge der Wilhelmshöhe dem Erholung und Genesung suchenden
Publikum nutzbar gemacht wurden. Die Anstalt umfaßt ein Gelände
von über 12 Morgen Größe, darunter 2 1/2 Morgen
schattigen, mit alten Eichen und Buchen bestandenen und mit Ruheplätzen
versehenen eigenen Waldes übrigens Park- und Gartenanlagen.
Nach Vollendung des großen neuen Kursaalgebäudes [des
»neuen Hauses«]
im Jahre 1892 und nach Erwerb der bisherigen Privatvilla Waldeck
No.2 [heute noch sehr schön
erhalten: Lindenstraße 1]
werden 6 für sich getrennte Häuser den Kurzwecken dienen,
die außer einem großen, ca. 120 Personen fassenden Speisesaal,
2 Wintergärten, 1 Konversations- und Billardsaal, Musik-, Damen-,
Lesezimmer, einer Anzahl offener und gedeckter Veranden und Balkone,
großer Liegehalle und heizbarer Kegelbahn zu gemeinsamer Benützung
noch 86 Zimmer für Kurgäste enthalten, die den
verschiedensten Ansprüchen an Komfort und Ausstattung entsprechen
werden.
Der Verkehr mit Cassel und der Umgebung wird vermittelt:
erstens durch das Fuhrwerk des Hauses 6 Pferde und verschiedene
Wagen stehen den Gästen gegen feste Taxen zur Verfügung,
zum Abholen von den Bahnhöfen, zweitens durch die 5 Minuten
von der Anstalt [am Schloßpark-Ende
der heutigen Kurhausstraße]
endigende, jetzt elektrisch betriebene Straßenbahn, drittens
durch die Eisenbahn-Station 1/2 Stunde von der Anstalt entfernt
, sowie endlich durch Droschkenfuhrwerk, und gewährt
namentlich die Straßenbahn auf billige, sichere und rasche
Weise die Möglichkeit, sich der verschiedenen Kunstgenüsse,
die Cassel mit seinen Museen, Bildergalerien, Theater, Konzerten
etc. bietet, teilhaftig zu machen, soweit dies natürlich mit
der Kur vereinbar ist. [...]
Wie aus den Bedingungen der Aufnahme ersichtlich ist,
ist die Anstalt auch während des Winters zur Aufnahme von Kurgästen
geöffnet, und ist es des Unterzeichneten Absicht dabei, einesteils
den Kranken, bei welchen sich das Leiden spät im Jahre, so
daß anderweitige Kuren nicht mehr unternommen werden konnten,
entwickelt haben, den Winter nicht ungenutzt vorübergehen lassen
wollen, einen Aufenthaltsort zu bieten, an welchem sie eine zweckentsprechende
Kur gebrauchen können; andernteils wollte ich auch jenen Gästen,
die schlechtweg als Nervöse bezeichnet werden also allen
an Hypochondrie, Hysterie, Spinalirritation, Neurasthenie Leidenden
, ein Asyl, in welchem sie sich heimisch fühlen können,
begründen. Diese Unglücklichen, welche so häufig
es nicht in der Familie und ihrer Häuslichkeit aushalten können,
weil sie durch das Maßlose ihrer Klage be wenig zu Tage tretender
körperlicher Hinfälligkeit den Grund zu falscher Beurteilung
ihres Zustandes legen und sich verkannt und mißachtet wähnen,
werden, wenn es notwendig befunden, daß sie einmal von der
Familie getrennt unter kundiger ärztlicher Pflege und Beobachtung
längere Zeit hindurch zubringen sollen, auch während des
Winters hier unter denkbar günstigen Verhältnissen sich
erholen und zu den ihrigen gekräftigt und gestärkt zurückkehren
können. Als Vorzug des Aufenthaltes in hiesiger Anstalt wird
es aber jedenfalls anerkannt werden müssen, daß kein
ausgesprochen schwer Erkrankter im Hause Aufnahme findet und seinen
ungünstigen Einfluß auf die anderen Gäste ausüben
kann.
Wilhelmshöhe, September 1899.
Dr. Wiederhold
prakt. Arzt«*9
Die Anstalt wurde also 1892 um den großen Anbau erweitert,
wie auch auf den Bildern zu sehen ist. Der strenge Jugendstil
dieses Neubaus muß damals ausgesprochen modern gewirkt haben;
in der Villenkolonie wurden noch lange danach Häuser im »Schweizer«
und Gründerzeitstil errichtet.
Eine Ausgabe der Wochenschrift »Cassel-Wilhelmshöher
Fremdenblatt mit der Kurliste« vom 4.Juni 1910, führt
unter dem Eintrag »Sanitätsrat Dr. Wiederholds Kuranstalt.
Leitender Arzt: C. Deetjen« eine Liste der »anwesenden
Kurgäste und Fremden« auf, wie das für Kurzeitungen
der damaligen Zeit üblich war. Einige Namen:
»Fr. Dr. Buchenau
und Frl. Tochter, Bremen /
Fr. Marie Schumacher und Begleitung, Insel Fehmarn /
Fr. Steuerrat Scherer, Cassel /
Schw. M. Roose, Berlin«*5
Unter den 36 Personen auf der Liste sind nur vier Männer,
und nur ein Name trägt das Sternchen eines seit »der
letzten Liste neu angekommenen« Gastes. Diese geringe Fluktuation
weisen auch die Gästelisten der anderen Kuranstalten in dieser
Ausgabe auf, und übrigens auch die der Hotels. Bis auf
»Frau Schmitz, Antwerpen« kommen alle Gäste aus
Deutschland.
Dr. Moritz Wiederhold starb 1906 und wurde auf
dem Mulang-Friedhof (Ecke Mulangstraße / Schloßteichstraße)
beigesetzt. Nach seinem Tode wurde die Kuranstalt zunächst
von seiner zweiten Ehefrau Emmy, geb. Boeddinghaus mit dem Arzt
Dr. C.Deetjen weitergeführt.
Kurhaus Dr. Wilhelm Rohrbach

Dr. Rohrbach (18871970) erwarb 1920, also im Alter
von 33 Jahren, die Wiederholdsche Anstalt. Er war nach Familien-Überlieferung
unter etwa 15 Interessenten wegen seiner (in der Tat zumal für
einen Arzt besonders schönen) Handschrift ausgewählt worden.
1922 kaufte er »Dr.
Gregers Fachschule für Massage, Badewesen, Elektrotherapie
und verwandte Gebiete« hinzu, wohl die erste Schule dieser
Art überhaupt. Diese Massageschule
wurde nach dem Kriege weitergeführt, zunächst in den heute
von einem Bahn-Planungsbüro benutzten ehemaligen SS-Baracken
am Panoramaweg, in südlicher Richtung an den Anthoniweg angrenzend.
Ende der 1960er Jahre übernahm Evamarie Junginger-Rohrbach,
die Tochter Dr. Wilhelms Rohrbachs, die Schule, die inzwischen in
Untergeschossen der Orthopädischen Klinik untergekommen war.
Zu Beginn der 80er Jahre ließ sie nahe der Orthopädischen
Klinik einen Neubau errichten, nachdem Anfang der 70er Jahre eine
Übernahme des Kurhauses an Auflagen der Stadt gescheitert war.
Auch heute noch gibt es in Wilhelmshöhe die »Schulen
Dr. Rohrbach«, die inzwischen zur Schulgruppe der Bernd-Blindow-Schulen
gehören. Hier
ein Link auf deren Internet-Site.
Dr. Wilhelm Rohrbach war für den Kurbetrieb
in den schwierigen Jahren zwischen den Kriegen und für die
kurze Blüte des Kneipp-Heilbads und Luftkurorts Wilhelmshöhe
in den 30er Jahren die maßgebliche Größe.

Anzeige in »Lührs Städteführer«,
ca.1935. Die heutige Hugo-Preuß-Straße hieß
damals noch »Fürstenstraße«.*5
Das »Kurhaus Dr. Rohrbach«
wurde am 8.3.1945 zerstört: das »alte Haus«
vollständig, der neuere Anbau wurde schwer beschädigt
und schlichter wieder aufgebaut. Dr. Wilhelm Rohrbach praktizierte
dort nach dem Krieg weiter und war derjenige, dem 1950 die Wieder-Erlangung
des Bad-Prädikates für Wilhelmshöhe und die
anschließende erneute Blüte des Kneipp-Heilbads Wilhelmshöhe
hauptsächlich zu verdanken waren. Die Gedanken Dr. Rohrbachs,
die er in seinem kleinen Werk »Heilend gewagt lehrend
gesagt« 1967 herausbrachte, lesen sich wie eine heute noch
aktuelle Anleitung zur Führung eines Kur- und Badeortes. Die
Tätigkeiten und Verdienste Rohrbachs aufzuzählen, hieße
selbst den Rahmen dieser eher übergenauen Internet-Site sprengen.*9
1965 mußte Dr. Rohrbach die Krankenanstalt
»als Folge des Schwesternmangels in der Bundesrepublik«
aufgeben. Nach dem Verkauf des Gebäudes an die Evangelische
Landeskirche wurde darin zunächst das Theodor-Litt-Institut
eröffnet. Seit 1990 beherbergt es das Evangelische Fröbelseminar.
Dr. Wilhelm Rohrbach starb 1970 hochgeachtet und vielausgezeichnet
als Arzt und Bürger. Nach ihm wurde ein Platz auf der Marbachshöhe
benannt wie auch die Wiederholdstraße in Kassel nach
seinem Vorgänger Dr. Moritz Wiederhold benannt ist.
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Ca. 1880: Photo aus der Murhardschen Bibliothek, beschriftet
»Gegend der jetzigen Gossmannschen Anstalt«.*10

Goßmanns Sanatorium, 1907.*5

1928: Brief an einen Interessenten, unterzeichnet von Dr. Walther
Goßmann, dem Sohn des Gründers.*5

Bahnhof Wilhelmshöhe um 1900.*5

1908: Blick auf die Goßmannsche Anstalt von der
Station »Kur-Hotel« (später »Luisenhaus«)
der Herkulesbahn.*5

Die »Hauptfront« mit Eingang.*5

Das Vestibül (das Bild wurde offenbar aus zwei Aufnahmen
zusammengefügt).*5

Die Wandelhalle.*5

Damenbad, Herrenbad.*5

Herren-Sonnenbad, Liegehalle am Waldesrand.*5

Frühstücks-Veranda, Speisesaal.*5

Farbbild des »Kneipp-Gesundheitshauses«,
um 1950.*6

Verbreitete Karte aus dem »Kneipp-Gesundheitshaus«,
der früheren Goßmannschen Anstalt, abgestempelt 1965.*5

Aus »Führer durch Kassel und Wilhelmshöhe 1966/67«.
Noch ist vom Abriß keine Rede.*5

Luftaufnahme des Goßmann-Areals, ca. 1930.*6

Goßmanns Natur-Heilanstalt, eröffnet 1894, um 1920.*5

Die gleiche Perspektive, wie sie sich seit etwa 1974 darstellt
... Beim Klicken auf das Bild erscheint der dazugehörige zeitgenössische
Beitrag.
Der »Panoramaweg« führt noch heute vom Augustinum,
dem ehemaligen Standort der Goßmannschen Anstalt, am Saum des
Habichtswaldes entlang nach Mulang:

»Panoramaweg«, ca.1910.*5 |
Goßmanns Natur-Heilanstalt
Die prächtigste Kuranstalt von Bad Wilhelmshöhe war »Goßmanns
Natur-Heilanstalt«, erbaut von Heinrich Goßmann
aus Kassel-Wehlheiden. Sie lag nicht in Mulang, sondern am Rande
des Habichtswaldes an der Druseltalstraße (damals Kohlenstraße).
Vor Gründung dieses Hauses hatte Goßmann, ein »Gesundmacher«
aus Leidenschaft, nach gründlicher Ausbildung in seinem Elternhaus
in der Querallee 24 ein Sanatorium betrieben.*4
Er war auch Mitbegründer des »Naturheilvereins Kassel
1891 e.V.«, der immer noch besteht, welcher die schöne,
sozial- und kulturhistorisch bedeutsame Anlage »Luftbad
Waldwiese« im Habichtswald einst erbaut sowie jüngst
neben dem rührigen Nachfolge- und Naturheilverein »Luftbad
Waldwiese e.V.« vor der Zerstörung vorläufig
bewahrt hat. (siehe das Kapitel »Luftbad Waldwiese«).
Die Schicksale der Goßmannschen Anstalt taugen
auch gut als Sinnbild für die »vielen guten Ansätze
und mannigfachen Verhinderungen« des Kur-Standortes Wilhelmshöhe,
wie Kurarzt Dr. Helmuth Greger im Jahre 2000 in einem Vortrag formulierte
(den er sehr liebenswürdig in Schriftform zur Verfügung
gestellt hat und dem sich zahlreiche Anregungen für dieses
Kapitel verdanken). Zudem liegen über diese Anstalt viele Dokumente
vor, anhand derer ein Bild des einstigen Kur-Lebens in Wilhelmshöhe
vermittelt werden kann.
Am 26. August 1894 wurde die Heilanstalt unter
reger Anteilnahme Kasseler Bürger eingeweiht. Von Größe
und Pracht her konnte sie sich mit erstklassigen Häusern etwa
in Schweizer Badeorten messen und erfreute sich größten
Zuspruchs, wie auch der abgebildete Brief beweist.
Zwei Beiträge aus Wolfgang Hermsdorffs überaus
verdienstlicher Reihe »Ein Blick zurück«
in der Kasseler Tageszeitung HNA*7 befassen
sich mit Heinrich Goßmann; aus diesen Beiträgen wird
hier auch einiges zitiert. Beim Klicken auf die Nummern öffnen
sich Bilddateien mit den vollständigen Beiträgen:
Nr.361:
»Von Wehlheiden nach Wilhelmshöhe
Vor 75 Jahren bezog Heinrich Goßmann seine neue Naturheilanstalt
Vielfältiges Wirken« vom 23.08.1969.
Nr.695:
»Leben und Heilen auf natürliche
Weise Naturheilverein
Kassel 85 Jahre alte Initiatior Goßmann heute noch
Vorbild Schrebergärten mit Luftbad« vom
21.08.1976.
(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
Wir betrachten einen Kuraufenthalt zu Anfang
des 20. Jahrhunderts. Der abgebildete Brief lag beim antiquarischen
Kauf eines Werbeprospektes noch bei. Die weiter unten abgebildeten
Fotos mit Kästchen-Rahmen stammen aus diesem Prospekt.
Der Kurgast kam am als Fernreisender am Hauptbahnhof
an, als Regionalreisender am Bahnhof Wilhelmshöhe. Von den
Bahnhöfen aus ging es für Sparsame mit der Straßenbahn
zur Haltestelle »Brabanter Straße«, wo man am
Palmenbad in die »Herkulesbahn« umstieg. Nach der abgebildeten
Haltestelle »Luisenhaus« lag der nächste Haltepunkt
an der Goßmannschen Anstalt. Wem die Börse lockerer saß,
der nahm eine Droschke.
Beförderungstarife
1910 Grosse Casseler Straßenbahn:
Grundpreis 10Pf, für jede Teilstrecke 5 Pf.
Herkulesbahn: PalmenbadGoßmann 15 Pf., zurück
10 Pf.
Pferdedroschke: Nach der Wilhelmshöhe 4 Mk.
Eleganter Landauer einschl. Trinkgeld nach Wilhelmshöhe:
ab 8 Mk.
Kraftdroschken: 1,502 Mk.
Das Gepäck
wurde üblicherweise von Dienstleuten transportiert; an den
Bahnhöfen standen Gepäckwagen aller großen Hotels
und Kureinrichtungen. Wer einen Dienstmann brauchte, zahlte ihm
nach »Taxenordnung für Dienstmänner« von 1903:
bis 5 kg: 30 Pf. / 5 bis 25 kg: 40 Pf. / 25
bis 50 kg: 60 Pf. / je weitere 25 kg: 20 Pf.
/ Transport in Stadtrandgebiete + 20 Pf.
Nach der Ankuft bei Goßmann ging man die
talseitige Gebäudefront entlang zum Eingang und betrat das
großartige Vestibül, einen spätgründerzeitlichen
Prachtsaal, und bekam dort wohl das Zimmer zugewiesen. Wer ganz
prächtig reiste, kam im eigenen Automobil. Garagen waren vorhanden,
ebenso einfache Unterkünfte für Chauffeure.
Preise für den Kurgast 1928:
»Aufnahme-Untersuchung
... Mk.15,
Gesamtkosten: Pensionspreis einschl. Steuern, Kur, ärztlicher
Behandlung wöchentlich von ... Mk.84 an (für die 2. Person
in einem Zimmer werden Mk.7, wöchentlich in Abzug gebracht)
Bei Schroth- und Fastenkuren werden Ermäßigungen gewährt.
Besondere Kosten: [...]
Liegestuhl wöchentlich Mk.2,. Mitzubringen sind nach
Möglichkeit: Badetuch, 2 Wolldecken, auch empfiehlt sich
Material für Wickel und Packungen mitzubringen (hier auch käuflich
zu haben).«
Es gab sicherlich auch die Gelegenheit, vor Ort passendes
Schrifttum zu erwerben, wie etwa das abgebildete »Das
Wasser als Volksheilmittel« von Direktor Heinrich Goßmann
senior höchstselbst (erschienen allerdings erst 1937) oder
»Verjüngung durch naturgemäßes Leben und
seelische Höherentwicklung« von Dr. med. Eugen Heun,
Arzt an Dr. Goßmanns Sanatorium, Kassel-Wilhelmshöhe
(1928).

*5
Es gab aber auch weniger ernsthafte Kurgäste: Ein erhaltener
Postkartengruß aus der Goßmannschen Anstalt lautet folgendermaßen:
»Herrn Bäckermeister Schmidt,
Greiz i.Thür. / Bin gut angekommen. Sendet einen Kuchen! -
Wilhelm.« Solche Gäste freuten sich auch über
den Nachtrags-Zettel, der in die Broschüre eingeklebt war:
»... Ein Rauch- und Spielzimmer
mit vorzüglichem Billard ist eingerichtet worden ...«.
Die Kurwilligen unterzogen sich folgenden »Hauptmethoden
natürlicher und biologischer Reizanwendungen:
1. Ernährung: Abwechslungsreiche Fleisch- und
vegetarische Diät unter Berücksichtigung der Dr.
Lahmannschen Grundsätze betreffs Nährsalze und der
modernen Vitaminforschung. Tisch für Korpulente, für
Magenkranke, für Zuckerkranke. Obst- und Rohkostkuren
zur energischen Stoffwechselumstimmung (Entsäuerung, Entsalzung,
Mineral- und Vitamin-Versorgung), Trockenkuren nach Schroth
und Fastenkuren als sehr wirkungsvolle Methoden bei schweren
körperlichen Leiden.
2. Das gesamte Wasserheilverfahren (kalte, warme, bis heiße
Wasser- und Dampfanwendungen. (Wärmekultur).
3. Elektrische Anwendungen: Elektrische Wasserbäder,
Vierzellenbad, Schwachstrombehandlung, Langwellstrahler, elektrische
Lichtbäder.
4. Lichtbehandlung: Freiluftbäder, Sonnenbäder,
künstliche Höhensonne, Rot- und Blaulichtbestrahlung.
5. Ruhe und Bewegung: Liegehalle am Waldesrand, Gymnastik
und Atemübungen (nach Schreber, Müller, Mensendiek, Mazdaznan).
Spaziergänge in herrlichen nahegelegenen Waldungen, Sport,
Tennis und Tanz.
6. Spezielle Techniken: Ausgedehnte Handmassage, Vibrationsmassage,
schwedische Widerstandsgymnastik, und durch die Aerzte: spez. Gymnastik,
Nasen- und Prostatamassage, Thure Brandt-Massage, Mandelbehandlung
nach Dr. Röder, Nerven- und Nervenpunktmassage nach Dr. Cornelius.
Neben der Erkenntnis in Gesundheitsfragen spielt bei
der Erreichung der zur Gesundung nötigen seelischen Verfassung
die Beeinflussung der Trieb- und Willensrichtung eine große
Rolle. Der wichtigste Faktor hierfür ist die Regelung der
Lebensordnung [...]. Die Direktion sieht sich daher nur genötigt
einzugreifen, wenn durch unzweckmäßiges Verhalten eines
Patienten die anderen beeinträchtigt werden. Ständiges
Wachsen des Einen am Anderen im freien Spiel der Kräfte mit
dem Grundton der Freudigkeit im Herzen ist daher der Gesichtspunkt
unseres gesellschaftlichen Lebens.«
Im Ersten Weltkrieg diente das Haus als Offiziers-Lazarett,
nach dem Krieg wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen. 1933
übernahm die Stadt Kassel das Sanatorium, zu dem zumindest
zeitweise auch die »Villa Waldeck« in der Lindenstraße
/ Ecke Schloßteichstaße gehörte, und wandelte es
unter Leitung von Dr. Ostkar Kluthe (der auch das Kur- und Badehaus
in der Kurhausstraße betrieb) in das »Kneipp-Gesundheitshaus«
um. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zum Lazarett
umfunktioniert, aber nach dem Krieg wieder unter Dr. Kluthe
zum »Kneipp-Gesundheitshaus«, es gab auch ein Kneipp-Kinderheim
im Habichtswald (siehe das Kapitel »Wilhelmshöhe, Umgebung«
und dort »Besondere Orte in Wilhelmshöhe und Habichtswald«).
- Küchenchef war Wilhelm Kraus, er verfaßte ein »Kneipp-Kochbuch«.
Noch Ende der 60er Jahre hatte man große Pläne
für das Kneipp-Heilbad Kassel-Wilhelmshöhe: »Der
gute Ruf des Kneipp-Heilbades Kassel-Wilhelmshöhe ist Verpflichtung
zu eseinem weiteren und verbesserten Ausbau. So ist beabsichtigt,
ein neues Kurzentrum mit Kurmittelhaus und Kneipp-Sanatorium zu
schaffen. Gärtnerische Anlagen und Grünzüge mit Wanderwegen
und weiteren Wassertretstellen werden in den Schloßpark harmonisch
überleiten. Das Gebäude an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie
1 in Wilhelmshöhe wird zu einem Kurpavillon mit Auskunftsstelle
und Aufenthaltsräumen erweitert.« (Zitat aus dem
nebenstehenden Führer von 1966/67.)
Doch Anfang der 70er Jahre wurde das prächtige,
tradtionsreiche Haus abgerissen und an seiner Stelle die Türme
des »Augustinum« erbaut. Gleichzeitig wurde das herrliche
Kurhaus in der Kurhausstraße, die frühere Villa Mummy,
abgerissen und durch einen riesigen Neue-Heimat-Bau in gänzlich
unpassender Bauart ersetzt. Der Kur- und Erholungs-Charakter
der Villenkolonie Mulang wurde durch weitere Abrisse und Neubauten
beeinträchtigt; das waren Eingriffe, die noch heute schwer
wiegen. Ein erfolgreiches »Bad Wilhelmshöhe«
war politisch nicht gewünscht. (Es muß nicht hinzugefügt
werden, daß damit beileibe kein Angriff auf die Bewohner dieser
Neubauten gemeint ist, wohl aber auf bewußt zerstörerische
Baupolitik dieser und späterer Zeit.)
Auf den Luftbildern der Goßmannschen Anstalt zu
Beginn und Ende dieses Textabschnitts und auf dem Bild des Augustinums
sieht man den Steinbruch im Habichtswald, dessen Fortbestehen
bis in heutige Zeit ein weiteres Monument politischer Torheit darstellt.
Er ist dem wunderbaren Naturpark Habichtswald, der Welterbe-Anerkennung,
dem Bad Wilhelmshöhe und den Bewohnern des Augustinums gleichermaßen
unzuträglich. Die Nicht-Einhaltung von Arbeitsplatzzusagen
seitens der Betreiber sollte die längst fällige Schließung
umso leichter machen.
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Aus einem »Führer durch Cassel und Wilhelmshöhe«
von 1897.*5

Karte von 1899. Sehr schön der Hinweis auf den gegenüberliegenden
Wasserfall (der heute hinter Kolonnen rasender und parkender Autos
kaum mehr wahrnehmbar ist).*13

Ca.1920: Luftbild mit dem von Greveler erbauten Klinikgebäude
links oben, rechts oben die Baumreihen der Wilhelmshöher Allee,
rechts die Hofanlage der ehemaligen Domäne (siehe »Wilhelmshöhe«).*6

Um 1885: Der Eingang zur Kaltwasser-Heilanstalt
in der Wigandstraße. Aus einer Mappe mit Fotografien von Kassel
und Wilhelmshöhe.*1

Ausschnitt aus dem vorigen Foto. Der Eingangsbereich mit den
Schildern: »Arzt Dr. Greveler,
Sanitäts-Rath, Sprechstunden von 11 1/2 bis 12 1/2 und 2 1/2
bis 3 1/2 Uhr.« / »Kaltwasserheil-Anstalt.«
/ »Bäder, Douchen, Massagen
auch für nicht in der Anstalt Wohnende von 8 1/2 12 1/2
und 4 1/2 6 1/2 Uhr.« Die
Inschrift am Häuschen rechts ist leider nicht lesbar.

Die Kuranstalt um 1900.*10

Ca. 1910: Postkarte. Blick vom Tal, also von Osten.*5

Nach 1921 wurde das Haus Kurheim der Reichsbahn-, später
der Bundesbahn-BKK. Die Postkarte ist 1958 abgestempelt worden.*5

1963 abgestempelte Postkarte: Der Speisesaal.*5

Postkarte von ca. 1980: Die »Kurklinik Habichtswald der
Bundesbahn-BKK«. Der Anblick aus dem Tal ist noch da; heute
ist diese Perspektive dahin.*5

Umbau-Modell, Bild aus der HNA vom 22.03.1986. Blick von Norden,
von der Mulangstraße aus. Die Wigandstraße läuft
rechts hoch. Der häßliche Mittelbau sollte zunächst
durch womöglich noch häßlichere Seitenflügel
erweitert werden.
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Heilanstalt Dr.Greveler
(1883-1921)
Kurheim der Bahn-BKK (19211986)
Habichtswald-Klinik (seit 1986)
Die »Kaltwasser-Heilanstalt Dr. Greveler«, u.a.
auch »Sanatorium Bad Wilhelmshöhe« genannt, wurde
ab 1881 von Dr. Engelbert Greveler erbaut und 1883 eröffnet.
Ihm stand zu Beginn der Arzt Dr. Ludwig Greger zur Seite, der
einige Jahre später in der Burgfeldstraße ein eigenes Haus
gründete. »Der aus Westfalen
stammende Arzt Dr. Engelbert Greveler hatte die Bedeutung der Wilhelmshöhe
als heilklimatischer Kurort erkannt, als er in Bad Wolfsanger (s.a.
Blick zurück 203) tätig war. Vorher war Dr. Greveler (s.
Foto oben links in unserer Montage) chirurgischer Assistent an der
Universität Greifswald gewesen, hatte vorübergehend eine
Irrenanstalt in Pommern geleitet, um dann als Chefarzt in der damals
berühmten Lungenheilstätte von Dr.Brehmer in Görbersdorf
(Schlesien) zu wirken. Nach Tätigkeiten als Bade- und Anstaltsarzt
in Suderode und Brückenau kam er nach Wolfsanger.
Von hier aus faßte Dr.Greveler mit den Kasseler
Architekten Rebentisch und Seyffert den Plan, in Wilhelmshöhe
ein mit allen technischen Neuheiten der damaligen Zeit ausgestattetes
Sanatorium zu errichten. Vor 90 Jahren stand das gewaltige Gebäude,
das der Blick zurück 349 schon einmal in der Außenansicht
vorgestellt hat, fertig da und wurde am 14. Juli 1883 seiner Bestimmung
übergeben.
Das ganze Sanatorium war sowohl in seinem Äußeren
als auch in der Innenarchitektur bis ins Detail im damals so gern
angewandten neugotischen Stil ausgeführt. Als Glanzstück
galt der 170 qm große, sechs Meter hohe Speisesaal. Es gab ferner
45 Fremdenzimmer, 33 große, geschützte Balkons, Bäder,
Massage- und Inhalationsräume, den heilgymnastischen Saal, Billardzimmer,
Wintergärten und Gesellschaftsräume.
Dem Turnsaal und den im Anstaltspark zwischen Parkwärterhäuschen
[das Häuschen Mulangstraße 1, das »AufsichtersHaus«
des »Chinesischen Dorfs« Mou-lang, siehe »Chinesisches
Dorf«] und Sanatorium in der Wigandstraße
gelegenen zwei großen Luftbädern wurde besondere Bedeutung
zur Behandlung beigemessen. Unser Bild zeigt das Luftbad für
Herren: Rasen- und Sandboden wechselten hier ab; Baumgruppen spendeten
nach Bedarf Schatten; Sportgeräte, Wippen, Rundlauf standen hier
zur Verfügung, wie auch Duschen und eine Umkleidehalle (rechts
im Bild).
Ein großer Prospekt, kurz nach der Jahrhundertwende erschienen,
machte mit folgendem Titelseiten-Text auf die bedeutenden Heilstätte
aufmerksam: Sanatorium Bad Wilhelmshöhe, Sanitätsrat
Dr. Greveler, leitender Arzt und Besitzer, 2. Arzt Dr. Ernst Heinrich
[ihm stand Dr. A. Jansen zur Seite].
Kuranstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Das ganze Jahr
besucht. Winterkuren. Und es kamen tatsächlich Heilung
Suchende aus aller Welt. Zu Dr. Grevelers Patienten zählten z.B.
auch der König von Württemberg, die Fürstin Stolberg
und der Generalfeldmarschall Graf Haeseler.
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Leitung
des Sanatoriums Dr. Grevelers Schwiegersohn, Dr. Franz Wehmer-Greveler.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Zeit zwangen jedoch bald
dazu die Privatanstalt aufzugeben. 1921 übernahm die Reichsbahn-Betriebskrankenkasse
das Sanatorium. Nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde
das Gebäude von der Bundesbahn auf- und ausgebaut; es steht auch
heute [1973] weiterhin Eisenbahnern
zur Erholung und Nachbehandlung zur Verfügung.
Dr. Engelbert Greveler, der übrigens als erster
Kasseler Arzt mit dem Kehlkopfspiegel arbeitete, starb 1930. Er wurde
auf dem Friedhof Wahlershausen am Rammelsberg beigesetzt.«
(Wolfgang Hermsdorff).*7
1986 wurde die inzwischen so genannte »Kurklinik
Habichtswald«, die in den 70er Jahren um einen gespenstisch
häßlichen Betonklotz auf der Mulangstraßenseite,
also direkt angrenzend an den Park Wilhelmshöhe, erweitert worden
war, von der Bundesbahn-BKK an die Wicker-Gruppe verkauft,
wobei der allseitige Wunsch in Erfüllung ging, daß das
Gebäude als Kurklinik und Sanatorium weiterbetrieben werde, nachdem
es auch Anträge gegeben hatte, das Gebäude etwa als Altenpflege-Tagesklinik
zu nutzen.
Werner Wicker, der auch die »Kurhessen-Therme«
direkt unterhalb der Habichtswald-Klinik betreibt, plante zunächst
die Erweiterung des neuen Anbaus um zwei weitere Flügel (siehe
das Bild in der linken Spalte). Zum Glück wurde dieser Plan fallen
gelassen und das heutige Gebäude errichtet, das, zumal im Vergleich
mit dem abscheulichen ursprünglichen Plan, ganz wesentlich gefälliger
ist, das aber auch sehr nah an den Bergpark und an das historische
»AufsichtersHaus« gerutscht ist, was nur durch einen sonderbaren
Flächentausch mit der Verwaltung der Schlösser und Gärten
möglich wurde. Bedauerlich an der heutigen Situation ist,
daß man die herrliche, auch schön sanierte Talseite des
ehemaligen Sanatoriums Dr. Greveler praktisch nicht mehr sehen kann:
Nur vom Innenhof bzw. vom talseitigen Riegel des neuen Gebäudes
aus, welches das alte Haus auf drei Seiten ringartig umgibt, hat man
einen freien Blick auf diesen Prachtbau.
Das Haus heißt inzwischen »Habichtswald
Klinik AYURVEDA« und hat ein weites Indikationsspektrum.
Hier ein Link auf die Website der Klinik.
Diese Klinik, auf der die Kneipp-Heilbad-Hoffnungen
für Bad Wilhelmshöhe ruhen, bedarf der besseren Rücksichtnahme.
Sie liegt unmittelbar an der Mulangstraße, einer immer
mehr befahrene Steilstraße, und nur wenige Meter von der Tulpenallee
mit ihrer hohen und für Park und Kurgebiet sehr hinderlichen
Verkehrsdichte. Erst am 14.10.2003 berichtete die HNA wieder darüber,
daß in ganz Kassel die Belastung mit lungengängigem
Feinstaub in den letzten Jahren ständig zugenommen habe (»Dicke
Luft durch Feinstaub«). |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Zwei Bilder vom ersten Bauzustand des Sanatoriums, ca. 1890.*3

Die Familie Greger vor dem Portal des Sanatoriums, ca. 1900. In der
Mitte Ludwig Greger.*3


Kinderspiele am Sanatorium.*3

»Dr. med. Gregers Kurpension,
Wilhelmshöhe bei Cassel, im Winter in Nervi bei Genua. Villa
Luise. Villa Daheim.« Die Villa Luise
ist das in genau dem abgebildeten Zustand erhaltene Haus Burgfeldstr.
6, die Villa Daheim ist die Nr.17 im ersten Bauzustand.*5

Die Nr.17 aus fast der gleichen Perspektive wie auf der vorigen Postkarte,
also von Norden; Klinik-Werbepostkarte von ca. 1913.*3

Ca.1915: Dr. Helmuth Greger auf dem oben gut sichtbaren Balkon
der Klinik, im Hintergrund die Wigandstraße.*3

Dr. Helmuth Greger mit seiner Frau im Kreise von Angestellten.*3

Dr. Helmuth Greger und Pflegepersonal.*3

Auf dem Balkon der Klinik. Im Hintergrund die Burgfeldstraße,
rechts Nr.12.*3
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Dr.Greger

Werbepostkarte von etwa 1910.*3
Das Sanatorium wurde von Sanitätsrat Ludwig Greger gegründet,
der um 1890 mit seiner Familie nach Mulang zog und in der Burgfeldstraße
das großartige Sanatoriumshaus erbaute. Eine Anzeige von etwa
1895 lautet: »Medico-mechanisches
Zander-Institut, Besitz. und dirig. Arzt, Dr. Greger, Anstalt für
schwedische Heilgymnastik, Massage, Orthopädie, Wasserheilverfahren
etc., Kronprinz.-Str. 141 1/2.« Ludwig Gregers Frau
war die bedeutende Komponistin Luise Greger (siehe das Kapitel »Persönlichkeiten«).
Ludwig Greger ließ das Wilhelmshöher Sanatorium, zu dem
er eine Winterdependance in Nervi bei Genua schuf, wegen des großen
Erfolges deutlich vergrößern.
Nach dem Tode Ludwigs übernahm sein Sohn Helmuth (1889-1939)
das Institut. Aus dieser Zeit stammt ein Prospekt, der neben hervorragenden
Bildern des Hauses folgenden Text enthält:
»KLINISCHES SANATORIUM DR. GREGER
/ CASSEL-WILHELMSHÖHE / Im Verband deutscher Ärztlicher
Heilanstaltsbesitzer e.V. / Für Chirurgie und Frauenkrankheiten
/ Privatentbindungsheim / Burgfeldstr. 17 / Klinische Leitung: Dr.
med. Helmuth Greger Facharzt für Chirurgie / Aufnahmen von
Hofphot. Eberth, Cassel.
VERBINDUNGEN Vom Hauptbahnhof Cassel: Straßenbahn-Linie 3
bis Germania, dann umsteigen in Linie 1 bis Endstation Wilhelmshöhe
/ Ab Hotel Schirmer, Ständeplatz: Linie 5 bis Haltestelle Wigandstr.
/
Autodroschken: Auf Wunsch Auto der Anstalt, Autogarage / Telegramm-Adresse:
Greger, Cassel-Wilhelmshöhe / Telefon: 694 / Gepäckbeförderung
durch die Anstalt nach Tarif.
Die Anstalt liegt, von Gärten umgeben, ruhig, schön und
staubfrei im Villenvorort Cassel-Wilhelmshöhe am Fuße
des Habichtswaldes in unmittelbarer Nähe des Schloßparkes
(300 m. ü. d. M. - Wilhelmshöhe ist Luftkurort). Herrliche
Fernsicht. Fast alle Zimmer mit Balkon. Fließendes warmes
und kaltes Wasser. Privatbäder. Central-Heizung und Kachelöfen.
Elektrisches Licht. Doppeltüren und Doppelfenster. Lift.
Die Anstalt verfügt über den gesamten Apparat
moderner und altbewährter Heileinrichtungen. Operationsräume
für alle dringlichen, als auch sonst vorkommenden chirurgischen
und frauenärztlichen Eingriffe und Operationen. Röntgenabteilung.
Laboratorium. Elektrotherapeutische Abteilung (einfache und komplizierte
Stromarten. Diathermie. Hochfrequenz. Bergonié. Vierzellenbad.
Höhensonnen. Bestrahlungsspiegel nach Kisch. Lichtbäder.)
Badeabteilung für die gesamte Hydrotherapie, Dampf- und Fangoanwendungen.
Massage. Heilgymnastik. Inhalatorium für Medikamentenverneblung,
Wechselatmung, Unterdruckatmung und Soolezerstäubung. Einrichtungen
für Liegekuren im Freien. Geschultes Personal.
Zur Aufnahme geeignet sind Chirurgische- und Frauenkrankheiten,
sowohl operativ als auch konservativ zu behandelnde Fälle.
Chron. Gelenkerkrankungen. Rachitis (Früh- und Spätformen).
Innere Krankheiten. Reconvalescenten nach Krankheiten und Operationen
aller Art (insbes. nach Magen-Darmoperationen). Kuraufenthalt und
ambulante Behandlung. Pflege- und Erholungsbedürftige auch
ohne Kur und ärztliche Behandlung.
Durch ihre schöne, ruhige Lage und ihre Einrichtungen
ist die Anstalt ganz besonders für Aufnahme zu Entbindungen
geeignet. Geburtshifliche Abteilung. Hebammenschwester im Hause.
Die Verteilung der Zimmer udn der Behandlungsräume, insbesondere
der Geburtshilflichen- und Operationsabteilung ist aber so gewählt
und angelegt, daß jegliche Störung vermieden wird.
Geisteskranke und Patienten mit übertragbaren und
störenden Krankheiten sind ausgeschlossen. Begleitpersonen
von Kranken werden aufgenommen.
Besonderer Wert wird auf eine sehr gute und abwechslungsreiche
Verpflegung und sorgsamste diätetische Behandlung gelegt.«
Ein
PDF dieses bilderreichen Prospektes öffnet sich durch Klicken
auf diese Zeilen. Vorsicht - die Größe beträgt 3
MB.
Durch die Weltwirtschaftskrise verlor die Familie das Sanatorium,
zu dem zwischenzeitlich auch weitere Mulang-Villen gehört hatten,
etwa die Burgfeldstraße 6. In den letzten Tagen des Zweiten
Weltkriegs wurde das Haus zerstört.
Heute ist ein direkter Nachkomme von Ludwig und Helmuth Greger Kurarzt
in »Bad Wilhelmshöhe«: der hochangesehene Dr. Helmuth
Greger, Urenkel Ludwigs und Enkel Helmuths. Er hat seine Praxis
in der Wigandstraße 12, einem einst dem Sanatoriumsbau benachbarten
Haus, das schon seit bald 100 Jahren der Familie gehört.
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Ausschnitt aus einer Luftaufnahme von ca.1930:
Das Doppelhaus Lindenstr.7 und 9 in der Bildmitte, von der
Gartenseite gesehen. Die auf dem Bild rechte Seite des Hauses, Nr.7,
war das Kindersanatorium. Das Haus ist teilerhalten.*6 |
Kindersanatorium
Dr.Rohr

Anzeige im Cassel-Wilhelmshöher Fremdenblatt,
1910

Anzeige in Lührs Städteführer
von ca.1935.*5
Dr. Ferdinand Rohr, ehemaliger Assistenzarzt am Kaiser-und-Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus
der Stadt Berlin, war leitender Arzt des Kindersanatoriums. Prof.
Dr. H. Finkelstein war ärztlicher Direktor. Gemeinsam verfaßten
sie die Schrift »Die Behandlung der tuberkulösen Bauchfellerkrankungen
im Kindesalter«, Halle 1922.
Das Krankenhaus wurde laut Hermsdorffs »Blick zurück
514« bis 1945 in der Lindenstraße betrieben: »Die
Bomben des Zweiten Weltkriegs trafen auch das Kind von Brabant
[das Kinderkrankenhaus, das schon seit 1847 in der ehemaligen
Städtischen Kaserne Westendstraße / Luisenstraße
sein Domizil hatte] schwer. Schon 1942
beschädigt, brannte das Krankenhaus am 22. Oktober 1943 völlig
aus. Wie durch ein Wunder wurden alle Kinder gerettet und unter Schwester
Barbara Germeroths umsichtiger Leitung zunächst im Weinbergbunker
untergebracht. Es folgte Umzug auf Umzug: in den Keller des Sophienhauses,
ins Diakonissenhaus, dann ins Privatsanatorium Dr. Rohr nach Wilhelmshöhe.
Als dieses noch im März 1945 ausgebombt wurde, folgte die Ausquartierung
in ein Hotel nach Homberg. Schließlich bot sich ein ehemaliger
Kindergarten in Harleshausen als Unterschlupf an. In einer von den
Amerikanern freigegebenen Villa der Gebrüder Credé an
der Frankfurter Straße kam das Krankenhaus schließlich
ab Oktober 1948 unter. Nach Dr. Rohrs Ableben übernahm 1951 der
Facharzt für Kinderheilkunde Dr. Paul Melchior die Krankenhausleitung.
Im Dezember 1955 war dann auch das Provisorium in der Credé-Villa
vorbei: Das neue Kinderkrankenhaus Zum Kind von Brabant
wurde in der Herkulesstraße 111 eingeweiht.« |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Ca. 1900: Das Henkelsche E-Werk von Südwesten. Links das
Verwaltungs-Gebäude, angebaut Palmenbad und Gewächshaus.
Links hinter dem Verwaltungs-Gebäude verläuft die Hunrodstraße,
parallel zum Gewächshaus rechts die heutige Kurhausstraße.*6

Ca.1900: Das E-Werk von der Hunrodstraße aus (von Osten).
Beim Klicken auf das Bild öffnet sich ein Fenster mit dem ganzen
HNA-»Blick zurück« Nr.1408.

Im Gewächshaus des Palmenbads. Postkarte von ca.1900.*5

Um 1900: Männerbadezeit im Hallenbad. Bei der Treppen
sind die »mächtigen Delphine« zu bestaunen.*8

Ca.1910: Blick über die Einmündung der Brabanter
Straße nach Osten in die vorne quer verlaufende Fürstenstraße,
die heutige Hugo-Preuß-Straße. Hinten rechts sieht
man den Schornstein des Henkelschen E-Werks und das Palmenbad.*5

Um 1910: Ein Wagen der Herkulesbahn in der Kurhausstraße,
kurz nach dem Verlassen der Endhaltestelle Palmenbad. Links sieht
man das Verwaltungshaus des E-Werks.*8 |
Palmenbad
Das »Palmenbad« war ein großes Gewächshaus
mit dazugehörigem Schwimmbad, das mit der Abwärme
des Henkelschen Elektrizitätswerks betrieben wurde und die
Villenkolonie Mulang sowie Wahlershausen bereits seit 1893 mit Strom
versorgte, als es in der Stadt Kassel noch keine solche Versorgung
gab. Siehe »Gustav Henkel« unter »Villenkolonie«
/ »Bedeutende Mulangbewohner«.
Ein langer Bericht von Gustav Henkel zu den ersten Jahren
der Villenkolonie und seinen dortigen Aktivitäten: Bitte
hier klicken.
Der Gebäudekomplex stand in der Hunrodstraße,
etwas oberhalb der Kurhausstraße. Der große Schornstein
war »zur Schonung des Landschaftsbildes« mit einem turmartigen
Umbau versehen. Das Werk wurde mit Kohlegrus betrieben, der an der
Zeche Herkules gefördert und mit der Herkulesbahn herbeitransportiert
wurde. Mit dem Grus wurden zwei Schmidtsche Heißdampfmaschinen
à 40 bis 50 PS beheizt, die ihrerseits Dynamos betrieben.
Die Maschinen stammten von der Kasseler Firma Beck und Henkel, die
beiden Dynamos von der Berliner Firma Schwarzkopf. »Ein großer
Akkumulator (eine Batterie von 132 Zellen), der tagsüber geladen
wurde, sicherte die Stromlieferung zu allen Tages- und Nachtzeiten.«*7
Das Hallenbad mit 100 qm großem Becken
wurde am 2. Juni 1896 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
nach 2 Jahren privater Nutzung durch Gustav Henkel. »Die
Palmen profitierten von der hohen Luftfeuchtigkeit der Schwimmhalle.
Die Trennwand zwischen Hallenbad und Palmenlandschaft hatte nur
die halbe Höhe der Halle, so daß die obersten Palmenblätter
in die Schwimmhalle lugten. Die Gesamtanlage hatte ein unverwechselbares
Flair. Ein Reporter wähnte sich bei der Eröffnung in einer
Grotte und berichtete von Tuffsteinen und zackigen Felsstücken,
die von der Palmenhausdecke herabhingen und von Glühlampen
in bunten Farben, die das Palmenhaus in einem reizvoll-märchenhaften
Licht erhellten.«*8 Das
»Tageblatt und Anzeiger für Cassel« berichtet von
der Eröffnung am 3.6.1896: »Durch
Wasserfälle bzw. Fontainen und die verschiedensten Pflanzen
wird der Grottenbau angenehm belebt. Zwei mächte Delphine senden
beständig Strahlen frischen Wassers in das mit Abteilungen
für Schwimmer und Nichtschwimmer versehene Bassin, während
sich an der entgegengesetzten Seite Abzugsvorrichtungen befinden.
Das angenehme der Anlage tritt besonders bei ungünstigem Wetter
hervor, da, abgesehen von der stets gleich gehaltenen Temperatur
des Wassers, den Besuchern das Ergehen in den ausgedehnten Gewächshäusern
gestattet ist. Eine besondere Sehenswürdigkeit bildet gegenwärtig
das imposante Weinhaus, von dem der üppig blühende Wein
einen wunderbaren Duft verbreitet. Die Anlage ist durch Bogen- und
Glühlicht taghell erleuchtet und kann von Morgens sechs bis
Abends 1/2 10 benutzt werden, die Zeit von 9 Uhr Vormittags bis
5 Uhr Nachmittags ist für Damen reserviert, auch wird Schwimmunterricht
erteilt.«*8
Bei den zahlreichen Mädchenpensionaten erfreute
sich das Palmenbad großer Beliebtheit. Und: »Regelmäßig
einmal pro Woche badeten die Mannschaften der III. reitenden
Batterie des Artillerie-Regiments Nr.11 hier. Diese Batterie
war bis 1903 im Wilhelmshöher Marstallgebäude kaserniert.
Die Soldaten kamen meist samstags und anschließend wurde das
Wasser völlig abgelassen und das Becken gründlich gereinigt.«*7
Auch die preußischen Prinzen kamen in den Sommermonaten
zum Schwimmen hierher.
So lange die »Dampf-Straßenbahn« noch
das die Herkulesbahn betrieb, berechtigte eine Rückfahrkarte
zum Besuch des Schwimmbads. Von den 70 Pfennigen (nicht wenig
Geld; je nach Umrechnung heute immerhin etwa 7 Euro) gingen 35 ans
Palmenbad. Mit der Übernahme durch die »Große Casseler
Straßenbahn« fiel diese Regelung zum allgemeinen Bedauern
weg.*7
Schon im Winter 1918 wurde das Elektrizitätswerk
nach dem Verkauf an die Stadt Kassel abgeschaltet und die
Villenkolonie anderweitig mit Strom versorgt. Die Palmen erfroren;
der gesamte Komplex wurde 1922 abgerissen. An ihn erinnert
nur noch der Name des Hotels und Restaurants »Palmenbad«
in der Kurhausstraße, einst in unmittelbarer Nachbarschaft
des Werks. Vor seiner Tür endete war seinerzeit die Talstation
der Herkulesbahn; hier stieg man in die Linie 4 um, die heutige
Linie 3.

Anzeige in einem Reiseführer, um
1930. Der damalige Betreiber: J.O. Köberich.
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Nr.13 nach 1932, also zu »Piepmeyer«-Zeiten oder
kurz nach dem Verkauf an die Stadt Kassel. Nicht erhalten.*6

Nr.13 als Kurhaus um 1935, Gartenseite.*5

Um 1935: Die Gartenseite des Kurhauses.*5

1968: Nr.15 als Kurhaus, kurz vor dem Abriß 1972. Man
erkennt das bescheidenere Nachkriegs-Dach. Blick aus der Lindenstraße.*2

1968: Nr.15. Blick von der Kurhausstraße nach oben,
also nach Norden.*2
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Kur- und Badehaus
(in Vorbereitung. Siehe auch »Villenkolonie«, Kurhausstraße
15.) |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Freibad Wilhelmshöhe
(in Vorbereitung)
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Zwei Mehrbild-Karten des Burgfeld-Krankenhauses
von etwa 1955.*5 |
Burgfeld-Krankenhaus
Etwa Mitte der 50er Jahre wurde unter Einbeziehung des Hauses Burgfeldstr.11
(auf dem rechten oberen Bild der unteren Karte das linke Haus ...)
ein neues Krankenhaus gebaut. Der ursprünglich hübsche
50er-Jahre-Bau paßte recht gut in die Kur- und Wohnhaus-Bebauung
des Viertels. Erst in den unseligen 70er Jahren (die in Kassel bis
heute nicht geendet zu haben scheinen) wurde das auch von Architekturführern
gegeißelte abscheulich-riesige heutige Haus errichtet. (Diese
harte Kritik an solch menschenferner und liebloser »Zweck«-Architektur
erstreckt sich selbstverständlich nicht auf die tüchtigen
Menschen, die dort wirken!)
Das Burgfeld-Krankenhaus wird nach Fertigstellung des bereits in Bau
befindlichen Diakonissen-Krankenhauses im Vorderen Westen geschlossen.
Eine weitere Nutzung des Gebäudes ist nicht in Sicht. |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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1965 abgestempelte Karte: »Königin
Elena-Klinik. 35 Kassel-Harleshausen«. Damals war das
Bauwerk noch kaum verändert.*5

Ungefähr aus der gleichen Zeit: Eine Postkarte von der Terrasse
des Hauses.*5

Der Anbau von etwa 1970.*12 |
Paracelsus-Elena-Klinik
Der sehr bedeutende Architekt Hermann Muthesius erbaute 1910
für den Freiherrn von Strombeck in wundervoller Lage zwischen
Harleshausen und Habichtswald ein Landhaus mit Herkulesblick. Hier
vier Seiten aus dem Buch »Landhäuser von Hermann Muthesius«,
München 1922.*5 Beim Daraufklicken
öffnen sich Fenster mit den Seiten in lesbarer Größe:


Nach dem Tode von Strombecks wurde in diesem Werkbund-Bau eine Parkinson-Spezialklinik
eingerichtet, ein Umstand, der sich einer zufälligen Begegnung
zwischen Dr. Walther Völler und Königin Elena von Italien
verdankte, die 1935 stattfand. Als ein Teil dieser später stark
erweiterten Klinik hat das immerhin noch in Teilen erkennbare Landhaus
Strombeck überlebt. So bedauerlich jede Veränderung eines
so wichtigen Bauwerkes ist, so interessant ist die Geschichte der
Elena-Klinik und so sinnvoll ist die Unterbringung der Patienten in
einer schönen Umgebung. Heute ist die inzwischen so genannte
»Paracelsus-Elena-Klinik« eine der beiden Kur-Kliniken,
die zur Erringung des »Bad«-Prädikats für Wilhelmshöhe
nötig waren. |
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(Nach oben zum Inhaltsverzeichnis.)
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Inhalt
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Dia-Schau
»Chinesisches Dorf«
Villenkolonie
Schutz für Mulang!
Kurort Wilhelmshöhe
Persönlichkeiten
Wilhelmshöhe, Umgebung
Die Herkulesbahn
Luftbad Waldwiese
.
Friedrich Forssman
Schloßteichstraße 3
34131 Kassel
mail@kassel-mulang.de
Dank an
Dr.Helmuth Greger, Kassel
Helga Kraus, Kassel
Rolf Lang, Niestetal
Dr.Alexander Link, Stadtmuseum Kassel
Evamarie Junginger-Rohrbach
Bildnachweis
*1 Sammlung Rolf Lang, Niestetal
*2 Bürgerverein Wilhelmshöhe/Wahlershausen (Hg.): Historische
Fotografien aus Wilhelmshöhe/Wahlershausen, Kassel 1986
*3 Familienarchiv Greger
*4 HNA-»Blick zurück« 361
*5 Sammlung Feyll/Forssman
*6 Stadtmuseum Kassel
*7 Wolfgang Hermsdorff, Ein Blick zurück, Reproduktion der
HNA-Serie, zusammeng. m. Registern und Quellenverz. v. Hiltgunde Thiele,
Kassel 1992.
*8 Vera Bachmann: Kasseler Badelust. Begleitbuch zur Ausstellung
im Stadtmuseum Kassel, Kassel 1995
*9 Familienarchiv Evamarie Junginger-Rohrbach
*10 UniversitätsBibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche
Bibliothek der Stadt Kassel
*11 Archiv Yannick Philipp Schwarz, Kassel
*12 Sammlung K.-P. Wieddekind
*13 Sammlung H.-W. Hess, Kassel |